Literatur-Projekte
Literatur live
Balladenjahr
Meine Literatur
Virtuelle Welten
Literatur unterwegs
Autor Kurt Comic
Erzählstrom
Märchen
Literarisches Motto
Historische Gegenwart
Literatur mobil
Literatur Fabrik
Autoren im Interview
Autoren - Manuel Göpferich
Autoren - Lars O. Heintel
Autoren - Ina May
Autoren - Mira Sommer
Autoren - Walter M. Stütz
Literatur Dialog der Kulturen
Literarische Fragmente
Forum für Litrum-Texte
Kreatives Schreiben
Literatur-Kritik
Literatur-Theorie
Podcasts zur Literatur
Literatur Blog
Literatur-News
Links zur Literatur
Litrum-Gästebuch
Kontakt und Impressum
     
 


Diese Seite ermöglicht es Autoren, ihre Prosa oder Lyrik schneller zu veröffentlichen. Texte einfach mailen an: texte@litrum.de Als Betreff bitte "Meine Literatur" angeben.


Verlassen

Eine Szenerie
spielst Du mir vor
und brennst ab
ein Prachtfeuerwerk. 

Die Funken zerstoben
mit Deinem Gesicht
zu leeren Nächten
mit einem
verstummten Sternenorakel. 

Ein Traum zerbrach.  

Betti Fichtl



Sie nennt sich Sanna
und ich habe keine Ahnung
ob das ihr richtiger Name ist
oder nur ein Pseudonym. 

Sanna schreibt für ein Musikmagazin
und die Sätze, die sie schreibt,
sind einerseits gefühlvoll
und haben andererseits auch Köpfchen.
 
Was will ich damit sagen?
Ich will damit sagen, dass die Sätze,
die sie schreibt,
auch wirklich Sätze sind
und dass sie schreiben kann. 

In jeder Ausgabe
ist auch ein Foto von ihr
und auf dem Foto
sieht sie lieb und niedlich aus. 

So ähnlich wie ein Rehlein,
das neben der Autobahn steht
und mutig den Daumen raus hält,
obwohl es eigentlich
nur zurück will
in den Wald. 

Alfred Zoppelt



Ich orakle
mit den Sternen
in den Räumen
der Nacht. 

Baue
die Szenerien
beglänzt
mit ihrem
silbrigen Staub
zu einer
faszinierenden Musik. 

Sie verändern sich
fremd
in kahlen Kulissen. 

In den Händen
des großen Dramaturgen.  

Betti Fichtl



Eine silberne Stille
leuchtet
in die
Einsamkeit
der Nacht
von den
Sternen her. 

In ihre
dunklen Höfe
über dem
Refrain
der Strassen
im Laternenlicht
macht das Gewesene
vergangen. 

Verlöscht
in einer
neuen Morgendämmerung. 

Betti Fichtl



Frischer Tau auf den Blättern,
es ist noch recht früh,
der Weg zur Arbeit weit,
doch die Natur ist einzigartig. 

Viele schlafen noch,
meine Arbeit ruft dennoch,
die Sonne ist bereits beim Erwachen,
sie gibt Halt für den Tag. 

Tiere recken und strecken sich,
der Tag startet,
ich genieße die Natur bis zur Arbeit,
auch wenn es morgens um 6 Uhr ist. 

Ich liebe die Natur,
den frischen Wind,
den frischen Tau auf den Blättern. 

Genieße deinen Tag! 

Franziska Kynast



Frühling
mit den
Musikszenen
der Vögel
in den
blauen Sälen
des Himmels
über den
erwachenden Wiesen
und Wäldern. 

Den gesprengten Knospen
zur Blüte
im feinen Duft
mit einer
geschenkten Fülle
der Freude
eine Jahreszeit lang. 

Betti Fichtl



Der Mensch
sucht
nach Idolen
in einer
kaputten Welt. 

Schaut auf
zum Mythos
den Ikonen
und Hymnen. 

Kehrt
zurück
zu Gott. 

Betti Fichtl



In der Halle
Deiner Augen
wärme ich mich
vom Frost
des Tages. 

Die Wogen
glätten sich
in sanfte Wellen
mit glücklichen Momenten
deckt uns
die Abendröte zu. 

Betti Fichtl



Ich liebe dich
und darf es nicht sagen
schau in deine schönen Augen
und hoffe, dass sie mich fragen:
fühlst du auch wie ich? 

Ich liebe deine Stimme
diesen besonderen Klang
sinnlich, manchmal lächelnd
und mir wird so bang
bin kaum Herr meiner Sinne.
Ich liebe deine Hände

sie sind so schön und zart
wie sie wohl streicheln?
Gewiss auf eine besondere Art
dein Blick spricht Bände.....
Ich liebe deinen Mund

würde ihn so gerne küssen
sehne mich täglich danach
möchte dich nie wieder missen
doch mein Herz ist wund. 

Denn du bist nicht frei!
Alles bleibt nur ein Traum
die Sehnsucht wird nie gestillt
ich vergesse Zeit und Raum
und bin trotzdem glücklich dabei.     

Karin Schümann



Es gibt Menschen, die den Raum augenblicklich mit Licht füllen, wenn sie ihn betreten.
Sie strömen etwas aus, was wir im selben Moment einatmen und zünden etwas an, das unauslöschlich scheint.
Hinterlassen wundersame Flugfunken, die sich in unsere Seele einbrennen.
So geschah es auch, als es um mich geschehen war.
Genährt von der Flamme, geleitet vom Licht.
Um es mit einem bildhaften Zitat auszudrücken.
Mein Engel hatte eine magische Strahlenkraft.             
Löste Schwingungen aus, die dem Augenblick Flügel zu verleihen schienen.
Ohne dass er etwas Sichtbares dazu tat.  
Das Sonderbarste an jener Geschichte: dass diese Lichtgestalt wie vom Himmel geschickt in mein Leben trat. Um einen Schatten aufzulösen, der sich in meiner Seele verfangen hatte.  Denn es lag eine Zeit vor mir, die Angst vor sich selbst zu haben schien.
Weil es so etwas wie ein Danach nicht geben konnte.
Hingegebener als je zuvor hatte ich an Skulpturen gearbeitet, die ausgerechnet dem Thema Himmelszeichen gewidmet waren. Zu einem Teil von mir selbst geworden, sollten meine Seelenkinder, wie ich sie nannte, auf eine Ausstellung gehen, um trauernden Menschen Trost zu spenden. Dass ich im Abschiednehmen schließlich selbst mit einem Gefühl der  Traurigkeit zurückbleiben würde, spürte ich mit jedem Verlustgedanken.   
Ausgerechnet in diesem Moment flog mich mein Engel an.
Als Journalistin einer Zeitung, die über das bevorstehende Ereignis berichten wollte. Sichtlich berührt von dem, was sie da erwartete. Oder besser gesagt: nicht erwartet hatte.
Ihr Blick schien ergriffen von der greifbaren Nähe meiner jenseitigen Fantasien. 
Der Bericht, den sie später darüber schrieb, gab ihre übersinnliche Wahrnehmung wieder.
Federleicht las sich da, was eigentlich so schwer doch wog.
Die Halt versprechenden Worte gaben mir schließlich die notwendige Kraft zum Loslassen.
Hätte damals jemand gewagt, zu behaupten, dass auch Engelsflügel schlagen können, wäre ich zum Gesellen des Teufels geworden.
Was folgte, war eine Zeit, die am liebsten an sich selbst festgehalten hätte.
Fast unwirklich in ihrer Realität, kaum fassbar in ihrer Intensität.
Sollte ich sie dennoch in Worte fassen, würde es in etwa so klingen:
„Wir fühlten uns wie ein Ginkoblatt, das sich in zwei Hälften teilt und doch ein Ganzes ist“.
Schicksalhaft zusammengefügt, als könnte keine Kraft dieser Welt uns trennen.
So schien es jedenfalls.
Kein Tag verging, ohne die Stimme des anderen zu hören.
Keine Stunde, in der wir uns nicht durch eine goldene Schnur verbunden fühlten.  
Das Leben hatte aus uns zwei unzertrennliche Weggefährten gemacht.  

                                                     -2-                                  

 Eines Tages, als mein Engel wieder einmal unseren Garten anflog, beobachtete ich,
wie achtsam sein Schritt ihn über das zerbrechliche Weiß der Gänseblümchen schweben ließ.
Als könnte er keiner Blüte etwas zuleide tun. Geschweige denn, einem Menschen.
Wahrhaft himmlisch wirkte seine Ehrfurcht vor diesen irdischen Geschöpfen.  
Wieder ein Beweis dafür, dass er unter seinem Mantel Flügel trug?
Selbst seine Briefe, die er an mich richtete, hatten eine göttliche Handschrift.  
Jeder für sich ein Dokument der Liebe, ein Zeugnis des Himmels.
So schien es jedenfalls.
Als mich irgendwann die Nachricht erreichte, dass mein Engel seinen Arbeitsplatz  
verloren hätte, zögerte ich keinen Moment, ihn aufzufangen.
So, wie er es damals auch mit mir getan hatte. Ich brachte ihm als Trost ein zufällig aufgestöbertes Ölgemälde, das den Kampf zwischen Gut und Böse darstellte.
War es eine bildhafte Prophezeiung dessen, was mir später selbst widerfahren sollte?
Eine Ahnung, die sich hinter meiner Ahnungslosigkeit versteckte?
Eine bildhafte Warnung, die Vorzeichen einer Seelenwandlung sein sollte?
Was ich in den folgenden Monaten für meinen Engel tat, hatte ich noch niemals zuvor für einen Menschen getan. Es war ein ungleiches Spiel aus Geben und Nehmen.
In dem dennoch jeder von uns das Gefühl hatte, beschenkt zu sein.   
Aus unserer Sicht des Himmels.   
Aus dem Blickwinkel eines Gesetzes, das nicht von dieser Welt zu sein schien.
Irgendwann schenkte mein engelhafter Gefährte mir einen unvergesslichen Tag.
Als Dank für das Gegebene.
Tief berührt nahm ich diese Geste von ihm an – obwohl er außer seiner Liebe eigentlich
nichts zu verschenken hatte.
Unser gemeinsames Gefühl galt der Sprache. Ein Instrument, mit dem wir zwischen Himmel
und Erde etwas bewegen konnten. Eine Sehnsucht, die wir schreibend teilten.
Die Liebe zum Wort schien ein festes Band zwischen uns. Eines, das nie zerreißen sollte.
Und eines, das alles aushalten wollte. Wir haben uns gegenseitig Flügel verliehen in dem Bewusstsein, dass Sprache die Melodie des Himmels ist und gleichzeitig die kostbarste Brücke zwischen den Menschen.
Dass es ausgerechnet dieses Instrument war, das Klang der Macht werden sollte, schien wie ein sich selbst vernichtendes Heiligtum.
Unser unverwundbarer Federball war zu einem verletzenden Schlagball geworden.     
Heute sehe ich meinen Engel in einem anderen Licht.
Erkenne ihn als Opfer seines eigenen Schattens.
Den er nicht überwinden konnte.
Geblendet von seinem übermächtigen Spiegelbild.  
Rückblickend kann ich mir Fragen stellen, die derzeit noch unvorstellbar gewesen wären:
Haben auch Engel Machtgefühle? Anflüge selbst zerstörender Ohnmacht?
Können sie in ihrer Verletzlichkeit verletzend sein?
Müssen sie ihren Glanz durch ihre scheinbare Unfehlbarkeit bewahren?
Leiden auch sie unter Anwandlungen eines unbezähmbaren Seelenwandels? 

                                                      -3-                                                            

All das ist meinem Engel passiert.
Vielleicht, weil ich ihm nicht genügend Macht über mich gegeben habe.
Vielleicht aber auch, weil er zu schwach war, meine gewonnene Stärke auszuhalten.
Wir haben uns in den geteilten Flugstunden gegenseitig beflügelt, getragen und Halt gegeben.
Bis sich irgendwann die vernichtende Kraft der Sprachgewalt einmischte.
Sind auch Lichtgestalten ihrer Worte nicht immer mächtig?
Setzen auch sie Sprache als Schlaginstrument ein?     
Oder sind es nur ihre gestutzten Flügel, die ihnen die Balance nehmen?
Ich werde meinem Engel dennoch vergeben.  
Weil menschliches Blut durch seine Adern floss.
Und ich ihm selbst das Kleid des Himmels angezogen habe.
Eines aber möchte ich ihn noch wissen lassen:
Er hat mich auf den Weg gebracht.
Und mir Flügel der Unabhängigkeit verliehen.
Ein Jahr nach diesem Erlebnis hatte ich den Mut, noch einmal den Weg zwischen
himmlischer Erfüllung und Höllenschmerz zu gehen. Mit meinem Engel zusammen
den Kampf zwischen Licht und Schatten anzuschauen. 
Wut und Wundgefühl können nur heilen, wenn wir sie in Frieden verwandeln.                                                               Nicht in der Schuldzuweisung liegt die Kraft einer unversehrten Zukunft, sondern
in der Erkenntnis, dass auch wir Teil jeder Vergangenheit sind.
Vielleicht müssen wir den Weg des Irrtums gehen, um uns selbst zu finden.
Soviel klaglosen, klärenden Schmerz einer Freundschaft durchleben, um uns                                                                  aus dieser Erfahrung wieder neu zu binden.
Bevor eine Seele wund getreten zerbricht, zieht sie sich schweigend zurück.
Um sich selbst zu retten. Sie spürt ihre Grenzen, weiß, was sie aushalten kann.
Auch, wenn sie manchmal viel zu lange stillhält.
Schmerz kann sich nur von Schmerz ernähren. Also müssen wir uns von ihm befreien.
Wenn Wut und Enttäuschung die Macht über uns verloren haben, können wir uns wieder
voller Vertrauen den Menschen zuwenden. Mit einer gesunden Portion Misstrauen.
Um nicht wieder dem nächstbesten Engel zu verfallen.  

Ute Leser                     



Frühling
lächelt
in die Lüfte
taut
mit goldnen Sonnenstrahlen
das letzte Wintereis. 

Erweckt
die kahlen Gärten
in Blütenparadiese
zum Canzona
der Vögel. 

Ein Singen
und Summen
umschwirrt
die Tage
sie dehnen sich
freundlich, hell. 

Betti Fichtl



Träumen vom nahen Frühling                                                                                                                         wenn goldene Sonnenstrahlen
unsere Körper streicheln. 

Träumen von lauen Nächten
die uns zart einhüllen und
dich und mich umschmeicheln. 

Wann wird endlich wieder
die Sonne die Erde erwärmen
damit bunte Blumen blühen?
Wann wird der Winter fliehen
der Duft des Frühlings uns betören
und unsere Herzen glühen? 

Karin Schümann



Diebisch
verschlinge ich deine Blüte
labe mich an der nächsten
und entschwinde wieder
Lieblich
entwende ich dir einen Kuss
erhasche den nächsten
und entschwinde wieder
Geraubt
habe ich dir dein Herz
stehle das nächste
und entschwinde wieder
Sinnlich
verführe ich deine Seele
verrate meine eigene
und sterbe 

Gabi Junker



Die Zeit
treibt
über die
Katakomben
der Erde. 

Sie bemerkt kaum                                                                                                                                         deren Dance makabre
ist eine Ewige
an den
kosmischen Brücken
unbeirrbar, schweigsam
ankunftslos. 

Betti Fichtl



Ein Liebestraum
wurde geboren
in einer Gondel
auf venezianischem Wasser
unter südlichen Sternen. 

Berauschte
ein paar Wochen
atemlos. 

Versank
im venezianischem Wasser.  

Betti Fichtl


Tee im Wintergarten

Bequem sitze ich im warmen,
draußen klirrt Väterchen Frost.
Er kennt kein Erbarmen,
fröhlich rufe ich ihm zu: "Prost". 

Ralf Neubohn


Die Raben

Ich mag diese Tiere gern,
halte mich jedoch respektvoll fern.
Man sagt, sie seien furchtbar schlau,
das glaube ich, wenn ich in ihre Augen schau.
Stolz ziehen sie über mir ihre Kreise,
nehmen im Schnabel eine Nuss mit auf die Reise,
die sie gefunden haben bei einem Zaun,
versteckt vom Eichhörnchen aus dem Nussbaum. 

Angelika Hüneborg



Die Sonne
glüht
im brennenden See
schattiert
in Wolken
und Wellen.
 
Im Piano
der Lüfte verklangen
die letzten Preludes
der Vögel. 

Abendblau
schleiert sich
über die Szenerie. 

Zum Amen
des Tages
in den Tälern
der Heimat. 

Betti Fichtl  



Der Wind fegt die Blätter von den Bäumen,
ich sitze im Bus, fang an zu träumen.
Träum' mich in eine Welt hinein,
in eine Welt voll Sonnenschein. 

Der Wind heult laut sein heisres Lied,
mein Leben an mir vorüberfliegt.
Sehe Gesichter und auch Bilder,
der Wind pfeift draußen immer wilder. 

Endlich ist die Fahrt vorbei,
der tosende Wind ist mir jetzt einerlei.
Ich freu' mich auf mein kühles Bier,
das mir der Ober dann serviert.

Angelika Hüneborg



Hoch auf dem Dach da sitzen Raben
da wo sie gute Aussicht haben.
sie schaun herab in unsern Garten.
Ich frag mich nur, worauf sie warten?
Mit scharfen Augen wird erkundet
ob da was wächst was ihnen mundet.
Doch sind ja jetzt noch kahl die Bäume
da bleiben ihnen nur die Träume
von Kirschen, Mirabellen, Beeren
die sie im Sommer gern verzehren. 

Werner Bühler



In Afrika lebte ein Pferdekind
mit großer Angst vor heißem Wind
So rannte es mit viel Verdruss
hinunter zu dem großen Fluss

Ein Nashorn nahm dort grad ein Bad
und gab dem Pferdchen diesen Rat:
Komm her zu mir, fass dir den Mut,
wirst sehn wie gut das Nass dir tut. 

Das kleine Pferd schwimmt nun im Nil
mit Nashorn und mit Krokodil
verzichtet gern auf heißen Sand
und wird fortan Nilpferd genannt. 

Werner Bühler



Der Mensch
ist ein Teil
seiner Erde
vom Schöpfer
in das Universum
gelegt. 

Gigantisch
ist sein Drang
vorzustoßen
ihm nicht zugetan. 

Irdisch
tickt
seine Zeit. 

Unendlich
bleibt
die Unendlichkeit.  

Betti Fichtl



Die Wolfsmondnacht
dunkelt
über dem Stundenfluss                                                                                                                                    aus dem
Altjahr gekommen. 

Anteillos
zum Mitternachtsfeuerwerk
den Salutschüssen
zum Gewordenen. 

Es ist umwittert
mit Rätseln
und Fragen
zu den
Sternenkonstellationen
und offenbart sich
noch nicht.  

Betti Fichtl



Der Pfarrer bei der kirchlichen Trauung: „Max Streibel, willst Du die Henriette Obermeier in guten wie in schlechten Tagen..... usw. usw. ?“   „ Jaa.“ 
Und ebenso umgekehrt: „Henriette Obermeier, willst Du den Max Streibel in guten wie in schlechten Tagen..... usw. usw.?“ „ Jaa“ Damit war der glückliche Bund geschlossen. 
Beide wollten aus übervollem Herzen und versprachen es hoch und heilig. Immer nur den anderen zu lieben, zu achten und füreinander einzustehen. Ihn oder sie, nie und unter gar keinen Umständen, komme was da wolle, allein im Regen oder sonst irgendwo stehen zu lassen.  
Überflüssig zu betonen, dass alle, die sie kannten, von der Ernsthaftigkeit des Versprechens überzeugt waren. So konnte man davon ausgehen, dass beide in dem kleinen Dörfchen der bayrischen Region Mellrichstadt über viele Jahre ein bescheidenes aber glückliches Eheleben führten. Es herrschte scheinbar für jeden ersichtlich Harmonie und liebevolles Einvernehmen. 
Kleine Streitereien kommen überall vor. Sie wurden als normal empfunden. Max war es nicht gegeben, zu widersprechen. Trotzdem nahmen die Streitereien zu. Weil nicht nur Henriette, deren Körperumfang im Laufe der Jahre,  sie war eine gute Köchin und aß ebenso gern wie reichlich,  in  dem gleichem Maße zunahm wie die ehelichen Auseinandersetzungen an Schärfe. Wer weiß warum?  
Sie gewann den Eindruck, dass sie ihre körperliche Dominanz wirkungsvoller einsetzen kann, um Max, der als guter Futterverwerter schlank und drahtig geblieben war, fügsamer an die Kandare zu kriegen. Zumal er sich aufgrund seiner körperlichen Wendigkeit stets rechtzeitig wegducken konnte. 
So war denn an einem Wochenende im vierzigsten Ehejahr für Henriette das Maß voll. Viel zu lange hatte sie mit ansehen müssen, dass ihre gutgemeinten Erziehungsversuche bei Max auf unfruchtbaren Boden fielen.
Bei eisigen Temperaturen hatte sich das Ehepaar am Freitag in die Haare gekriegt.
Henriette war zu großer Form aufgelaufen, packte ihren Max, der bei der handgreiflichen Auseinandersetzung Hemd und Unterhemd einbüßte, beim Hosenbund und setzte ihn bei eisigen Temperaturen mit gekonntem Schwung vor die Tür. Immerhin ließ sie nach angemessener Zeit Gnade walten und Max wieder ins Warme zurück. 
Wenige Tage später stellte sich heraus, dass die Erziehungsaktion nicht den erwarteten Erfolg gebracht hatte. In einem erneuten Zweikampf, der dem Ehemann neben dem Verlust der Oberkörperbekleidung zusätzlich noch die Schuhe kostete, landete er in diesem erbarmungswürdigen Zustand wieder vor der Haustür. Diesmal wurde der Schlüssel von innen hörbar umgedreht. Weder durch Maxens bettelnde Rufe noch die eisige Temperatur ließ sich Henriette an ihr vor langer Zeit gegebenes Versprechen erinnern.  
Mitfühlende aufgestörte Nachbarn entdeckten den schlotternden halbnackten Mann und riefen die Polizei. Mit staatlicher Autorität wurde Henriette auf die Verantwortung durch ihr heiliges Versprechens hingewiesen und Max der ehelichen Zweisamkeit wieder zugeführt. 
Ob das Ende der ehelichen Erziehungsaktion damit erreicht war, ist dem dürren Polizeibericht leider nicht zu entnehmen.  

Johannes Bildau



Entflammende Kerzen
am Kranz
adventlich geschmückt
werfen ihr Schattenlicht
auf den Weg
zur Weihnacht. 

Sie wärmen
die Augenblicke
künden
von ihrer Botschaft
und weisen
in die Stille. 

Strahlen
in die
dunkle Zeit.  

Betti Fichtl



Liegen wir noch nackt im Sonnenschein am Schotterteich
werden bereits in so manchem Großmarktregal die Schokoladen-Nikolos weich.
Jede Menge an Krampusvereinen agieren das ganze Jahr,
versuchen die Halloweens zu vertreiben, ein Nicht-Gelingen fürwahr.
Die Weihnachtsbeleuchtung wird von Jahr zu Jahr noch pompöser kreiert,
kann sein, dass man das Eins-Zwei-Drei-Vier-Kerzenlicht gar nicht mehr spürt.
Neulich hat mir am Nikolaustag jemand ein Neujahrsschweinchen zum Geschenk gemacht.
Ich habe es mit Genuss verspeist und mir weiter nichts dabei gedacht.
In Mund und Magen sodann fühlte es sich weder vom Geschmack noch von der Kalorienmenge gar nicht anders wie eine Schokoladen-Nikolausmütze an. 
Advent- Standln und Weihnachtsfeiern ohne Zahl
sollen Ruhe und Gelassenheit mit sich bringen, so auf einmal.
Hast und Hektik an all diesen vorweihnachtlichen Tagen
haben wohl das Christkindl bereits wieder in die Flucht geschlagen.
Die Weihnachtslieder dröhnend aus allen Seiten und Ecken,
und werden, denke ich mir, ebenfalls die Hirten verschrecken.
Auch der Botschaftsengel hat bei sich gedacht,
dass ihm das Frieden-Verkünden gar keine Freude mehr macht.
Die Geschenke für die Lieben sind bereits schrecklich schwer.
Überforderte Engel, selbst die Weihnachtsmänner mögen nicht mehr.
Die Weisen aus dem Morgenland haben ihre Hilfsdienste bereits untersagt,
sie das Heimweh nach Geborgenheit und Angenommensein plagt.  
Und eh wir’s uns versehen,
werden wir wohl am Heiligen Abend bald ganz alleine an der Krippe stehen.
Vielleicht so manch blöder Esel und die eine wie die andere dumme Kuh
stimmen ein in unser Halleluja und suchen nunmehr vergeblich die Göttliche Ruh.
Die Liebe darbt hier in der Krippe,
zur nunmehr selbstgewordenen Bitte.
Vor Kälte zitternd und lediglich auf Stroh gebettet,
hat sie schon mit ihrem Tod gewettet.
Hofft jedoch, wie sie es schon seit vielen Jahrzehnten macht,
dass der Mensch endlich aus seinem Wohlstandstaumelschlaf erwacht.  

Eveli Mani 

(erschienen im "Steirischen Weihnachtsbuch 2007")



Die bunten Farben des Herbstes sind vergangen;
leuchtendes Weiß bedeckt nun die Täler und Höhen.
Von des Winters Kälte eingefangen
erstarrt das Wasser der Bäche und Seen. 

Über dem Land liegt winterliches Schweigen;
nur vom Seufzen des Eises unterbrochen.
Tannen unter der weißen Pracht ihre Wipfel neigen,
um Zweige zu verstecken, die der Herbstwind hat gebrochen. 

Die letzten Wildgänse fliegen in den Süden,
ihr Ruf schwingt weit über das Land.
Es scheint, selbst die Kälte lässt sie nicht ermüden,
rastlos ziehen sie vorbei wie ein endloses Band. 

Eiswind lässt Blumen auf Fensterscheiben entstehen;
kunstvoller Schmuck, der zu schnell vergeht.
Schneeflocken tanzen ihren Reigen und vergehen
wie Geister, die der Wind bewegt. 

Eiskristalle glitzern, Diamanten gleich,
aus dem Weiß des Schnees hinein bis in die Nacht.
Erschaffen ein wunderschönes Märchenreich,
das der Silbermond bewacht. 

Genieß´ den Zauber dieser Stunden, der dir widerfährt.
Lass sie in deiner Seele leben.
Sie werden dir von Gott gegeben,
denn er ist es, der dir diese Märchenwelt gewährt.

Günter Claas 



Nebelwolkenwalle
über den Schneeweiten
kristalligen Wäldern. 

Kahle Sträucher
am fröstelnden Fluss
den verlassenen Wegen. 

Nur ein kantatischer Wind
weht
über das Schweigen -
den Augenblick Tag. 

Betti Fichtl



Ich tropfte in den Ozean, fühlte sich an
wie eine neue Worterfindung, war es ja
auch irgendwie: du mit ein wenig
Fleisch an den Knochen. Das aber
alles so gut riecht, und ich nicht mehr
davon ablassen würde, nie wieder, das
war mir beim Lesen deiner ersten
Zeilen nicht so ganz klar, obschon
deine Worte von Anfang an mehr
waren als schwarze Buchstaben.
Manche deiner Sätze habe ich grün
gemarkert, roch dann ein wenig nach
Gras, frisch gemähtes, wie beim
Fahrradfahren durch den Park mit
eigens ausgehöhlten Nüstern, etwas
feucht, wie alles, was schön ist, und
nun les ich dich immer und immer
wieder wie neu, kreiströpfig wie in
diesen Ozean, der nie zu Ende
schwingt mit seinem Wellengang,
manchmal sogar hüpft er in eine
andere Farbe, wie von selbst, wie alles,
was gelingen will, von selbst mit
einem davon hüpft – auf allen Wasse                                                                                                                 die dann, dort hinten, den Himmel
ärgern – sprenkelnd…  

Francois Celavy



Fremdworte im Tageslicht,
wie Menschengesichter, die
man nicht mehr wirklich
sieht, weil sie einem so
bekannt vorkommen. Dann
 der unbedachte Griff an die
Schulter. Dann das Einfrieren
des einstigen Gefühls. Es
wird Nachmittag. Längst
vermerkt, dass man sich zu
weit verschoben hat, beinahe
ein Sich-gehen-lassen, auf
den Abend hin, um die Nacht
herum, wie wenn man ein
Päckchen einwickelt: den
Herzschlag wegpackt. Später
dann, wenn der Raps um sein
Farbauge rankt, wie ein gutes
Buch, das man sich für den
nächsten Strand aufhebt und
man plötzlich mit der
flirrenden Hitze die Zeilen
ins Meer schüttet… wir
haben nun unsere Liebe
erfunden und suchen nie
mehr. Es bleibt nun alles in
der Schwebe, unser Moment,
der ständig sprudelt. 

Francois Celavy



Todeshauch
im kahlen Raum
auf dem Tränenstrom
der Trauer. 

Vor dem Sarg
unter einem
hohen Kreuz
und Priesterworten
zum letzten Geleit. 

Was bist Du Mensch
Dir gab
Dein Schöpfer
der Allmächtige
ein Leben
und ruft Dich ab
mit einem Gedenken
im Sarkophag
der Zeit. 

Betti Fichtl



Wortreich
doch nichtssagend
sich selbst genügend
hört er nur sich
Wahlkampf.

Werner Bühler



Den Augenblick ins Herz
schließen. Ach wie schön.
An einer Bushaltestelle
nimmt man manchmal die
Welt nicht mehr ernst. Und
dann das. Auf einem Zettel
aus der Tasche, hinten an der
Hose, ein heimliches
Bekenntnis, von der nur die
Welt was wissen soll. Gleich
auf dem Fußballplatz bei den
Halbtoten das gleiche
Stammeln. Da erinnerte er
sich gern an seinen Zettel in
der Hose. 

Francois Celavy



Ich kannte sie alle
Die kleinen Buchten rund um die Förde
Wir lagen am Strand, so dicht beieinander
Vertrauten unsere Träume den Wolken an 

Sprangen von den hölzernen Pfosten
Wer kann's besser: du oder ich
Spuckten weit aus
Nur so zum Zeitvertreib 

Dir schauten die jungen Helden tief in die Augen
Dein roter Schopf fiel auf
Hielt mich in deinem Windschatten
Für mich warst du stark 

Als die Zeit der Reife kam
Verloren wir uns und die Jahre zogen ins Land 

Und gerade heute, wo der Herbst wieder Einzug hält
Der Flug der Schwalben Melancholie vorankündigt
Denke ich an dich, deren Hand ich so gern' hielt 

Sabine Fenner



Am frühen Morgen war das Tal voll Nebel
doch nun – zur Mittagszeit – erschien die Sonne
mit ihrer Strahlen, die uns wärmen.
Sie lockt hinaus.
Im Garten schau ich zu
wie sanft im leichten Wind
ein Blatt zu Boden schwebt.  

Von Ferne leises Brummen
von der Autobahn -
gleichförmig, unaufhörlich.
Dann immer wieder lautes Dröhnen:
„Übungsflüge“....
Und wieder Ruhe.
Nur letzte Bienen noch,
die späte Blüten suchen. 

Werner Bühler



Im Internet habe ich gelesen
dass sich ein Drogenboss
78 Gesichtsoperationen
unterzogen hat. 

Die Polizei
soll ihn nicht erkennen. 

Die Polizei
soll ihn nicht kriegen. 

Sie schreiben auch
dass der Drogenboss
300 Menschenleben
auf dem Gewissen hat. 

Der Drogenboss
stammt aus Südamerika
und er hat unter anderem
auch viele Konkurrenten,
die ihm im Weg waren,
aus dem Weg geräumt. 

"Gott ist allwissend",
sagt der Priester
und ich denke an den Drogenboss,
der sich mit seinen 78 Gesichtsoperationen vielleicht vor der Polizei,                                                                  aber nicht vor Gott verstecken kann. 

Alfred Zoppelt



Silberne Zungen
der Sehnsucht
küssen
die Nacht
das Geträumte
zur Panflötenmusik
des Windes. 

Es bleibt
in ihrem Schosse nur. 

Betti Fichtl



Es war einmal ein schwarzer Kater,
der war kastriert und niemals Vater.
Er war schwarz, sein Auge zu,
er sagte miau und niemals muh. 

Angelika Hüneborg



Er sei in einen Dreck hineingeraten
Jetzt nennen sie ihn auch so 

Verschmutzung der Gedanken von ganz oben, sagte er niedergeschlagen... 

Verschlagenheit und materieller Reichtum! Passen sie zusammen? - Nie besser als heute ...!? 

Walter M. Stütz



Braune Blätter
rascheln
um Schritte
strassenbestäubt. 

Die Lüfte
erstarren
die Äste
und kühlen
die Schattensonnen. 

Ihr Himmel
bedüstert
und schmälert
die Tage
dehnt die Nächte. 

Müde geworden
verneigt sich
das Jahr
vor dem Ende. 

Betti Fichtl  



Deinen Schutt an Vorbeutungen werd
ich dir noch austreiben. Mein
Handlangerdasein hatte plötzlich
seinen Abgrund verloren. Und wenn es
im Bambusstrauch raschelt, jetzt, dann
wird eine noch unentdeckte
Sonnenblume herauslächeln. Damals,
erfroren, mitten im Sommer. Alles hat
mit nichts zu tun. Den Rest kann Kant
ausbaden. Ich weiß gar nicht, ob sein
Pudel schwarz oder weiß war. Es
stürzt sich eh alles Schöne aus Tränen.
Tiefe ist immer feucht (humores). Dein
 Atem trifft mich immer noch unterm
Haaransatz. Da wächst was ins Hirn.
Wo will ichs abschneiden. Will ichs
überhaupt. Schreit nicht eh alles nach
dir. Wassereimer, Farbkübel:
Sehnsucht. Hätte nie gedacht,                                                                                                                          dass ich mich in dein Herz einschreiben
könnte. Nun lass ich meine Haare
wieder wachsen.  

Willi van Hengel



1. Akt: keine Zugabe 
Der Applaus stürzte auf mich ein, nachdem der letzte Akkord auf der Gitarre verklungen war. Na ja, was heißt 'stürzte auf mich ein'?! Sagen wir: die 25, die direkt vor der Bühne standen, bejubelten mich, was das Zeug hielt. Natürlich waren es auch die 25, die immer zu meinen Konzerten kamen. Die anderen unterhielten sich lautstark an der Theke. Ich kannte sie alle schon persönlich und begrüßte die meisten von ihnen per Handschlag. Der Applaus verebbte dann doch schneller, als er gekommen war, und ich kündigte meinen letzten Song an. Nachdem ich meinen letzten Titel gespielt hatte, verbeugte ich mich und bereitete mich auf die Zugabe vor.  
Das Verhängnisvolle war nur: Niemand wollte eine.  
Alle drehten, miteinander redend, langsam den Rücken zur Bühne, während andere sich in Richtung Theke in Bewegung setzten oder fluchtartig aus dem 'LOGO' rannten. Das war der Name des Ladens. Ein alt eingesessener Club in Hamburg, der immer noch zu den Besseren gehörte. Ganz im Gegensatz zu mir - das war mir heute Abend klar geworden. Ich wischte mir meine verschwitzten Haare aus der Stirn und versuchte verzweifelt, mir mit einem Feuerzeug ein Bier zu öffnen. Es gelang mir erst beim dritten Versuch. Selbst das ging mir schon mal lockerer von der Hand. 
Keine Zugabe! 
So schlecht meine Gigs auch immer gewesen sein mögen, irgendein Penner wollte immer irgendeine Zugabe. Nur HEUTE nicht. Die Zeiten waren auch mal anders gewesen.
Vor knapp 20 Jahren hatte ich einen Nummer-1-Hit! Ja, genau! ICH! Kaum zu glauben, aber wahr! Ich war umschwärmt. Fernsehsendungen rissen sich förmlich um mich. Gut, es gab damals sicher nicht so viele Sender wie heute, aber nach einem Auftritt kannte dich halb Deutschland. Doch wie heißt es so schön: Glück und Glas, wie leicht bricht das.  
Und so kam es dann natürlich auch. Ich hab' danach so ziemlich alle Höhen und Tiefen miterlebt, nur: so wie es mir jetzt ging, konnte es wirklich nicht weitergehen. Ich war am Ende. Ich brauchte mir jetzt nichts mehr vorzumachen. Zu den Auftritten ins 'LOGO' kamen immer weniger Leute. Ich empfand es sowieso nur als Gnadenbrot, dass Eduard - der Boss des Clubs - mich vor knapp einem Jahr anrief und mich fragte, ob ich nicht jeden Monat einmal in seinem Laden spielen wolle. Ich nahm natürlich dankend an. Am Anfang lief es ja auch noch ganz gut. Leider wurde ich immer schlechter und immer versoffener. 
Ein Typ von irgendeiner Plattenfirma war irgendwann mal da gewesen und meinte, ich solle mehr Songs schreiben und weniger saufen. Ich hab ihm natürlich einen Tritt gegeben. Mit der Zeit glaube ich allerdings, der Typ hat Recht gehabt. Mit Sicherheit sogar.  
Langsam ging ich in die Hocke und ließ mich auf einen der Stühle fallen, die in der Geradrobe herumstanden. Ich holte tief Luft, beugte mich nach vorne und angelte mir noch ein Bier vom Tisch. Gerade, als ich es ansetzen wollte, flog hinter mir die Tür auf und ich zuckte zusammen, wobei ich mir meine Hose bekleckerte. Eduard knallte die Tür mit dem Hacken wieder zu und setzte sich schnaufend an den Tisch mir gegenüber. Er lächelte mich an, wobei wir beide wussten, dass der Abend super Scheiße gelaufen war. "Ich konnte die Groupies gerade noch abwimmeln, und die anderen sind auch schon los." 
Mit anderen Worten: 'Der Laden ist leer, und du warst Scheiße, Mann!' Eduard schob 55 Euro mit einem Schulterzucken über den Tisch in meine Richtung. "Mehr ist nicht drin, Alter." Ich wischte das Geld vom Tisch und schob es mir in die Tasche. "Ich weiß auch nicht, was mit mir los ist, aber im Moment hab ich einfach keinen Run." Eduard zog die Augenbrauen hoch. "Du hast keinen Run? Alter, mach die Augen auf. Du bist wirklich kein so schlechter Songschreiber, aber du bist kein Genie. Und das, was du noch auf der Pfanne hast, versäufst du. So sieht's aus!" 
Er stockte für einen Moment.
"Außerdem, und das vergiss nicht, bist du nicht mehr der Jüngste." Dann legte er mir seine Hand auf die Schulter. "Weißt du, ich kann dich nicht weiter engagieren. Das wird peinlich. Mach einfach mal 'ne kleine Kreativ-Pause, und ich melde mich in ein paar Monaten wieder bei dir." 
Ich musste diesen Abend wirklich Scheiße gewesen sein.
Er stand auf und sah mich etwas mitleidig an, was ich mit einem trotzigen Blick quittierte. Nein, so schlecht ging es mir ja nun wieder auch nicht, dass mich ein Typ wie Eduard bemitleiden musste. An der Tür blieb er stehen und drehte sich zu mir um: "Wenn ich sonst irgendetwas für dich tun kann, also ich mein..."
Während ich beim Aufstehen mein Bier leerte, drehte ich mich zu ihm. "Da wäre noch was." Eduards Gesicht versteinerte sich. "Kann ich mit dir noch ein paar Bier und Jägermeister am Tresen kippen? Zum Abschied so zu sagen. Das letzte Konzert." Eduard schlug mir lachend auf die Schulter. "Komm mit, alter Junge, das liegt sicher noch drin." Als wir uns beide in Richtung Tresen bewegten, flog mein Blick noch einmal durchs leere 'LOGO'. Nicht mal die dicke Anna lauerte hier irgendwo auf mich, wo doch auf SIE immer Verlass gewesen war. Ob ich wollte oder nicht, für Anna blieb ich der Star von damals. Den, den sie aus dem Fernsehen kannte. Und ich war auch der einzige aus dem Fernsehen, mit dem Anna je im Bett gelandet war. Aber selbst SIE hatte sich heute verpisst.
"Prost, Jacques!"
"Prost, Eduard" 
Stunden später, so gegen drei Uhr nachts, stand ich schwankend vor dem 'LOGO'. In der linken Hand hielt ich meinen Gitarrenkoffer und starrte in das Schneetreiben. Eduard hatte mir mehr als klar gemacht, dass ich eine Kreativ-Pause machen müsste.  
Ich stellte den Gitarrenkoffer kurz ab und holte tief Luft. Die kalte Winterluft schlug sich eine Bahn durch meine Lunge und ich sah eine fliegende Kreißsäge, die im Schneegestöber 20 Meter über der Straße längs schaukelte. 'Gott, bin ich voll', dachte ich und versuchte, diese Halluzination zu ignorieren. Aber es gelang mir nicht. Es erschien zu realistisch, wie sie sich in schwindelnder Höhe fortbewegte. Auf eine Gruppe von Menschen zu, die sich auf der gegenüber liegenden Straßenseite vor einem italienischen Restaurant versammelt hatte. Durch das Schneetreiben hindurch sahen auch die aus wie eine Fata Morgana. Wie ein Fernsehfilm mit schlechtem Empfang. Ich schnappte mir meine Gitarre und setzte mich in Trab. Die Kreißsäge schwebte auch gar nicht, sondern war an einem Seil befestigt, welches wiederum von einem Kran herunterhing, der wohl außer Kontrolle geraten war. Ich lief über die breite Grindelallee und winkte laut rufend mit meiner linken Hand, während ich mit der anderen meinen Gitarrenkoffer schwenkte. Gott sei Dank war um diese Zeit der Verkehr nicht mehr so stark. 
Der Wind aber heulte so laut, dass die Leute auf der anderen Seite mich nicht verstehen konnten. Die Kreißsäge blieb direkt über ihren Köpfen in etwa zehn Metern Höhe stehen. Ich stieß einen schrillen Schrei aus, der mich selbst verwunderte, und einer von den Leuten, die mit Hüten und langen Mänteln bekleidet waren, schenkte mir seine Aufmerksamkeit, indem er sich zu mir umdrehte und in die Innenseite seiner Jackentasche fasste. Das beunruhigte mich zutiefst und ich setzte zum Sprung an. Es waren vier Männer, die um zwei ältere Herren herum standen. Sie unterhielten sich scheinbar nur. Ich erwischte sie alle mit der vollen Breitseite meines Gitarrenkoffers und meines Körpers. Wir krachten förmlich zu Boden! Ich bekam gerade noch mit, wie die Kreißsäge mit lautem Getöse genau auf die Stelle knallte, wo die anderen gerade noch gestanden hatten. Für einen kurzen Moment sah ich in das überraschte Gesicht eines alten Mannes. Dann bekam ich einen Schlag gegen den Kopf und wurde bewusstlos. Gute Nacht!
Es mussten wiederum Stunden vergangen sein, als ich in das lächelnde Gesicht eines Arztes sah, der mir zuzwinkerte: "Da sind wir ja wieder, Sie Held, Sie!!"  
Mit ausschweifenden Bewegungen, die seinem etwas zu groß geratenen Kittel sogar etwas Feenhaftes entlockten, schilderte er mir, dass ich ein Held sei, weil ich den italienischen Botschafter - er sagte mir auch noch den Namen, den hatte ich aber sofort wieder vergessen - aufopferungsvoll das Leben gerettet hatte. Es wurde tatsächlich ein Anschlag auf ihn verübt. Der Botschafter ließ sich entschuldigen, er hätte wirklich seinem Lebensretter gern noch die Hand geschüttelt, aber einige Termine ließen sich nun mal nicht verschieben. Doch, versicherte mir Oberarzt Heuser, hat er sich meinen Namen aufschreiben lassen und all meine Daten. Er wird sicherlich von sich hören lassen. 

Carsten Pape, aus dem Buch „Kreativ-Pause“, Holzheimer Verlag



Flucht
aus den Ritualen
und Zwängen
ein Traumland lang. 

Gelöst
von den
täglichen Ketten
das Gewollte nur tun
frönen
dem Schönen
frei sein
nicht Marionette. 

In einem Elisium
der Illusionen. 

Betti Fichtl



Der Frieden wie der größte Streit,
hat seinen Platz in unsrer Zeit
- egal ob nah, egal ob weit -
auch wenn es scheint wie Ewigkeit. 

Was sein wird und was einmal war:
Unendlichkeit ist unmessbar -
sie dauert mehr als hundert Jahr,
Millionen und Milliarden gar. 

Zu messen unsre Zeit, den Raum
an Ewigkeit? - das bleibt ein Traum.
Versuchs, und merk: du schaffst es kaum -
erkletterst nie der Zeiten Baum. 

Doch soll das die Begründung sein,
dass alles hier ist bloßer  Schein,
nur weil wir Menschen sind so klein?
Zu solchem Irrtum sag ich Nein 

Werner Bühler



Diamantene Nacht
mit wispernden Lüften
über den Arkaden
des Glücks. 

Sie zeigen
die besternten Stunden
schwebend
zwischen Himmel
und Erde. 

Bis Du
wieder kehrst. 

Betti Fichtl



Stehen Wolken am Himmel,
bedrohlich und dunkel
suche Schutz und Zuflucht
bei Freunden. - 

Doch freue dich
über den Regen,
denn den braucht das Leben
und bedenke auch
die Kraft des Windes,
er bringt nicht nur Wolken,
er treibt sie auch weg. 

Drum mach dir
Sturm und Regen
zum Freund. 

Werner Bühler



...bis dass der Tod uns scheidet.
Wessen Tod?
meiner?
deiner?
oder der unserer Liebe? 

Für unser Leben
haben wir die beste Medizin.
Aber wo ist der Arzt
für unsere Treue,
unser Vertrauen.
unsere Liebe? 

Werner Bühler



Er stieg in den Zug ein und schaute sich um, wie man sich halt nach einem freien Platz umschaut, und davon gab es eigentlich genügend. Aber dann ging er zielstrebig an einigen unbesetzten Sitzen vorbei, legte seine Tasche über mir ins Gepäckfach, schaute mich an und setzte sich mir gegenüber.
Schnell merkte ich, dass er wohl ein Gespräch suchte, denn er blickte mich ein wenig fragend an.
Nun, ich war nicht am  Lesen, wie sonst meistens, wenn ich mit dem Zug unterwegs bin. So war ich durchaus zu einer Unterhaltung bereit.
Gespannt erwiderte ich seinen Blick, neugierig ob er wohl eine Unterhaltung beginnen würde.
Und tatsächlich, der Zug hatte Frankfurt noch nicht verlassen, waren wir mitten in einem Gespräch.
Vielleicht weil er meinen erstaunten Blick wahrgenommen hatte, sagte er, sein erster Eindruck von mir sei gewesen, dass ich wohl ein gläubiger Mensch sei.
Ein kleines Kreuz an meinem Hals hätte ihm das verraten, fuhr er fort. Das Kreuz wirke auf ihn echt und nicht nur als Schmuck. Nun ja, er hat ja recht damit.
Was so ein kleines Kreuzchen bewirken kann....
Denn was sich dann entwickelte, war ein sehr intensives Gespräch über sein Leben, seine Erfahrungen mit Religion und Kirche, mit einem Pfarrer, der in seiner Jugendzeit wohl einiges bei ihm in falsche Bahnen lenkte durch sehr enge (und nicht nur nach der Meinung meines Gesprächspartners falsche) moralische Vorstellungen, die er vermittelte. Seine Entscheidung gegen die Kirche war auf diesem Hintergrund nur verständlich.
Er ist in Slowenien aufgewachsen, kam dann als junger Mann als Gastarbeiter nach Deutschland, und lebt nun seit er im Ruhestand ist, zeitweise in Havanna, wo er auch grade her kam und zeitweise auch wieder in Slowenien. In Deutschland hält er sich immer nur einige Tage auf, wenn er auf der Durchreise zwischen seinen beiden Wohnsitzen ist.
Ich hatte den Eindruck, dass er in erster Linie jemand suchte, der ihm zuhört und sich bemüht, ihn zu verstehen. Ein Punkt, mit dem er überhaupt nicht klar zu kommen schien, war die Frage nach ewiger Verdammnis. Denn genau das hatte ihm in seiner Jugend ein Pfarrer wohl eingebläut, dass jemand, der gesündigt hat und in der Nacht stirbt, auf jeden Fall in die Hölle kommt. Und was unter Sünde zu verstehen ist, war ihm damals wohl auch sehr klar gesagt worden. Zum Beispiel sei es damals schon Sünde gewesen, wenn ein Junge ein Mädchen an der Hand nimmt. („Denn damit fängt’s an“, habe man ihm gesagt.)
Dass das Konzil dann in den sechziger Jahren das eigene Gewissen in den Vordergrund gestellt hat und nicht mehr nur objektiv feststehende Regeln und Normen, das war für ihn irgendwie schon ok, aber dann hatte er damit doch noch ein Problem: Wie kann es sein, dass jemand, der vor dem Konzil gelebt hat, nun in der Hölle ist, weil er sündig gestorben ist, und jemand der das Glück hatte, später zu leben, nicht verdammt ist, obwohl er die selben Dinge getan hat.
Ich weiß nicht recht, ob er mit meiner Antwort etwas anfangen konnte. Ich sagte ihm, dass sich da mit dem Konzil nichts geändert hat, sondern, dass in den Augen Gottes die Dinge vorher wie nachher gleich beurteilt worden sind, auch wenn viele kirchliche Vertreter meinten, sie könnten das festlegen. Schließlich ist ER es, der entscheidet und nicht wir.
Die Strecke von Frankfurt nach Würzburg war jedenfalls nicht langweilig, aber ein wenig anstrengend halt doch.
So war ich dann auch froh, in Würzburg aussteigen zu können, wo ich drei Stunden Aufenthalt bei meiner Nichte eingeplant hatte. 

Werner Bühler



Der Zeitzug
rollt
über die
Erdengeleise. 

Trägt
die Generationen
der Menschheit
mit ihren
wachsenden Genius
den  zerstörenden Keimen -
vor dem
großen Zifferblatt. 

Und der Zeitzug
rollt.  

Betti Fichtl



Früher war a im Urlaub auf da Benedikt'nwand
A Bundhos'n war sei typisch' Gwand
Nächst's Johr mecht a a Kreizfahrt macha
Des is doch zum Lacha 

Ja, ja, da Hans, jetz spinnt a ganz 

Früher hod a zur Brotzeit an Leberkas gess'n
Des konnst heid bei eam vagess'n
Heid muass Hummer und Kaviar sei
Seine Klamott'n san vom Mooshamma und imma nei 

Ja, ja, da Hans, jetz spinnt a ganz 

Früher is a mit 'm Käfer rumg'fahr'n
Heid braucht a an Porsche-Karr'n
Damois hod a no zur Miete g'haust
Heid hod a a Kitschvilla, mir graust 's 

Ja, ja, da Hans, jetz spinnt a ganz 

Früher war a ehrlich, zünftig und immer froh
Jetz macht a Karriere, wer ko der ko
Er geht über Leichen, Hauptsach 's Diredare stimmt
De Quittung, de kriagt a bestimmt 

Ja, ja, da Hans, jetz spinnt a ganz 

Sei Resi is eam jetz nimma guat gnua
Er mecht d' Scheidung und gibt koa Ruah
Des junge Gmias, des is eam jetz liaba
Dea äude Depp macht Sachan, mei liaba Schiaba 

Ja, ja, da Hans, jetz spinnt a ganz 

Des Haufa Geid hod da Hans ned g'wunna
De Staatsanwaltschaft is eam draufkumma
War a blos bescheid'n und ehrlich blie'm
Jetz kockt da Hans im G'fängnis drin 

Ja, ja, da Hans, ja, ja, da Hans ... 

Hermann Bauer



Sichtbar
ist der Weg
in das Leben. 

Gestaltlos
ist die Zeit
voller Wunschmelodien. 

Sie outet sich
langsam
mit ihren
Domnbak - Trommeln.  

Betti Fichtl



Kanonen, stählerne immer irgendwie wichtigtuerisch und protzig herumstehende Ungetüme. Auf fahrbare Untersetzer, wie Panzer oder Selbstfahrlafetten beweglich gemacht, sind sie jederzeit und überall in der Lage, Angst und Schrecken zu verbreiten.
Von  herrschsüchtigen „Staatenlenkern“ und deren  Generälen großsprecherisch als unverzichtbare Ordnungsfaktoren bezeichnet, haben sie eine ausgeprägte Fresssucht.
Ihr Lieblingsfutter sind neben harter Materie, wie Häuser, ganze Straßenzüge, Bunker etc. auch Lebendiges. Neben Tieren jeder Art vor allem Menschen. Diese werden, lange vor dem Ausbruch des Konfliktfalles, so nennt sich die Situation, in der die Ungetüme ihre Daseinsberechtigung nachweisen müssen, durch massive Propaganda zur Massenproduktion von Nachkommen, eben Kanonenfutter, angestachelt.
Wenn genug heran gewachsen ist, werden sie in großen Scharen zusammen getrieben, splitternackt auf ihren Gesundheitszustand geprüft und ggf. zur Verfütterung frei gegeben. Einheitskleidung in Einheitsfarbe macht sie für die Kanonen als Futter leichter kenntlich. 
Es soll kerngesunde Teilnehmer geben, die mit begeisterten Hurra-Rufen an solchen Fütterungsaktionen teilnehmen, wohlgemerkt als Futter. Damit haben sie sich posthum den Heldenstatus erworben.  

Johannes Bildau



Da Hans von Graxnstoa
Der is jetz ganz aloa
Sei Resi hod da Buidog zamg'fahrn
Jetz hod a an Hass auf jed'n Karr'n 

Am Hanse is sei Haisl abbrennt
Damois is a um sei Leb'n g'rennt
Da Stoi is eam Gott sei Dank no blie'm
Da Pfarra hod g'sagt: Hans, des is ned so schlimm 

Am Hans is vareckt sei beste Kua
Da Deifi gibt einfach koa Ruah
Wia lang soi des Pech no dauern
An jed'm Eck duad 's Unglück lauern 

Da Hanse hod se an Hax'n brocha
Jetz kummt a mit de Kruck'n daherkrocha
Im Wirtshaus trinkt a auf bessere Zeit'n
Und tramt von am Hof und Pferdl zum reit'n 

Da Hans spuit jetz Lotto
Er sogt: Des is bessa ois Toto
Ea mecht an Haufa Geid g'winna
D' Leit sog'n: Jetz duad a spinna 

Da Hans is wirkle a arme Sau
Sei Hoor is scho ganz grau
Sei Leb'n werd boid vorbei sei'
Dann muass a in de Hoizkist'n nei 

Hermann Bauer 



An Ranz'n hob i beinand'
Es is a wahre Schand
Sogor zum Schuabandlbind'n
muass i mi obschind'n 

Do kummt ma de Fast'nzeit grod recht
I denk ma, des is ned schlecht
D's Bier bleibt im Keller
Dann gehts Abnehma schneller 

Bläd is', wenn i vorm Fernseher hock
und sieg de Weabung von Bier und Bock
Dann denk a ma, oa Bier war jetz' guad
I brich mein Vorsatz, danoch hob i a Wuat 

Bläd is', wenn da Sepp vorbeikimmt
und an Ries'n Durscht mitbringt
Er sogt: A poor Bier macha nix aus
Aber 's G'wicht geht wieder nauf 

Bläd is', wenn i auf a Geburtstagsfeier bin
Dann denk a ma, i glaab i spinn
Alle schlemma und saufa Wein und Sekt
Und i wer' mit mei'm Mineralwasser dableckt 

Bläd is', wenn i im Biergarten bin
Und in mei'm Kruag is blos a Apfesaft drin
Dea schaugt zwar aus wia a Bier
Blos so richtig bsuffa werst da nia 

Schee is', wenn de Weihnachtszeit kummt
Dann san ma ausnahmsweis Lebkuacha vagunnt
Obnehma konn ma ja wieder in da Fast'nzeit
Aber bis dahin is no so weit 

Hermann Bauer



Das Leben läuft mir Marathon
und ich komm kaum noch mit.
Der Puls rast schneller schon
bei jedem kleinen Schritt. 

Es scheuert Stoff trotz wet-and-dry
an meiner wunden Brust.
Zu Anfang läufst du dich noch frei,
jetzt läufst du, weil du musst. 

Das Leben läuft in einem Pulk
von gleichgesinnten  Massen.
Was anfangs aussah wie ein Ulk,
bekommst du kaum zu fassen. 

Das Leben läuft bestimmt ins Ziel,
bei dir ist’s nicht gewiss.
Zu ernst und wenig Fahrtenspiel:
gleich Muskelfaserriss.  

Das Leben läuft auch Hermannslauf,
die Strecke hat mehr Kürzen.
Dafür geht’s ständig runter, rauf.
So gibt’s kein Überstürzen. 

Ich will kein müder ‚Walker’ sein
mit Stöcken durch die Stadt.
Für jeden Kilometerstein
nehm ich ab jetzt das Rad. 

Franziska Röchter



Bruno hod a g'hoaßn
Da Problem-Bär
Da Schnappauf hod 'n abschiaßn lassen
So a Sauerei! 

Der nächste Problem-Bär
War da Stoi-Bär
Endlich is er z'ruck'tretn
Gott sei Dank! 

Und da neie Ministerpräsident?
Werd des a Problembär oder Schadbär?
Da Beckstoa - ja pfüa de Gott
So kriagt Bayern nia a Demokratie! 

Hermann Bauer



Blaudunkle Wolken
im silbernen Sternenlicht
wölben sich
über Dir. 

Sie sind
die stummen Bewunderer
Deiner Schönheit. 

Du erblühst nur
für sie -
Königin der Nacht.  

Betti Fichtl



Des Frühlings Farbensinfonie
beglückt mich Tag für Tag aufs Neue
Des Gartens reiche Farbenpracht
ist es, worüber ich mich freue.
Das frische Grün, leuchtendes Gelb,
das zarte Rosa unsrer Bäume
auch rot und blau und violett,
ja – wunderbare Blütenträume. 

Werner Bühler



Der Mohn ist aufgegangen
Die roten Rosen prangen
Das ist doch wunderbar
Hast du im Garten denn schon
Gesehn den Rhododendron?
Der blüht so schön wie jedes Jahr 

Werner Bühler



Ein Andante piutosto grave
streichen die Bögen
über die Violinen
und die Zeit
zeigt sich
mit einem Lächeln. 

Im Stakkato
bricht
die Musik
vor den
Dombak - Trommeln
sie machen Angst. 

Nichts bleibt
wie es war. 

Betti Fichtl  



Sie war eine von uns.
Wir haben sie in die Erde gelegt.
Hunderte gaben ihr
letztes Geleit.
Wir haben gebetet
für sie
und „für den aus unserer Mitte,
der ihr als nächster folgt“.
Tränen der Trauer,
Worte des Trostes,
schweigendes Gedenken. –
Wind weht sanft durch die Bäume
und Vögel
singen
vom Leben. 

Werner Bühler



Souverän sein heißt ja nicht, sich vor anderen als etwas Besseres vorzukommen, sondern jedem so zu begegnen, wie man ist. Mit der Ehrlichkeit und der Wahrheit, die man nicht mehr wagen muss: mit all dem Widersprüchen, die man in sich ungezügelt aufgehen lässt, mit all den Gesichtern, die von innen reifen…
  Zu seiner Schande müsse er gestehen, sagte Edmond dann mit leicht zitternder Stimme – zitternd deshalb, weil die Ereignisse und Eindrücke des Tages wahrscheinlich etwas zu viel für ihn geworden sein könnten -, dass es eine Zeit gegeben habe, eine sehr lange sogar, in der er sich selbst nichts wert gewesen ist. Und genau in dieser Zeit sei Vera ihm mit ihren schönen braunen Augen hinterm Tresen erschienen… und nun werde es nicht mehr lange dauern, ein halbes Jahr vielleicht, bis er mit allem fertig sein wird, was ihn fertig machen wollte. Dann werde er sie zufällig irgendwo treffen und zum Kaffee einladen und nichts sagen, nicht einmal ciao Bella, bleib so, wie du bist, vor allem aber da, wo du bist, und erweise deinen vielen Spitznamen alle Ehre; ich wünsche dir weiterhin alles Gute mit deinen Viertelwahrheiten, die wir nun nicht weiter diskutieren wollen; du bleibst eine hautferne Erinnerung, eine Episode halt; dein entjungfertes Herz ebenso wie deine vielen Männer gehören nur dir allein, wie der große Rest, der gegen unendlich läuft, vielleicht wie gegen Windmühlen; dein Verhängnis ist abgewetzt, dein Schicksal wird nur noch klein geschrieben, und auch deine Krankheiten überzeugen nicht mehr, sie taugen kaum mehr zu einer Tragödie zweiter Klasse… Ciao Bella! 
   Der leichte Anstieg des Feldweges hinter sich gebracht habend, ließ Edmond sein Auge über das weite Land schweifen. Der blaue Fleck da drüben, stieß er Geoffrey an, während er mit dem Zeigefinger dorthin wies, das ist Onkel Ferdinand in seiner Arbeitsjacke auf seiner selbst zusammen gezimmerten Holzbank, da unter der jungen Weide. Der kleine Traktor stand nicht weit von ihm entfernt. Ihrer beider Lächeln traf sich über dem benachbarten gelben Rapsfeld. Edmond freute sich, wie immer, wenn er seinen Onkel sah. Der sah in seinem Alter immer noch so aus wie ein italienischer Gigolo, pechschwarz sein gekräuseltes Haar, nur hier und da eine graue Strähne, und von südländischer Bräune sein Teint; allein einige Falten hatten sich in ihm eingegraben. 
   Edmond setzte sich neben ihn auf die Bank. Beide blickten gemeinsam wortlos über die Wiese zum Fluss hinaus und hinauf auf das rote Gestein des Russenberges, der seinen Namen wegen dieser Russen, die nach dem zweiten Weltkrieg den ganzen Berg aushöhlten, um in ihm ein riesiges Waffenarsenal zu errichten, erhalten hatte. 
   Zum Glück, sagte Ferdinand dann in die Weite hinein, sind die Russen nun weg. 
   Genügsam ließ er seine Stimme ausklingen. Die Stille bettete sie in viele fröhliche Geräusche, wie Natur. Was aber nur so schien, weil es mehr war. Es war wie die Stille der vielen Leben, die zu sich gefunden hatten. 
   Dann sagte Ferdinand, dass er sich keinen schöneren Ort auf der Welt vorstellen könne als diesen hier, an dem alles miteinander eins wird und alle Sehnsüchte endlich ganz erdwarm. 
   Er ist, wurde Edmond klar, wirklich zu einem honnête homme geworden, der es nicht mehr nötig hat zu lügen und zu heucheln und falsch zu lachen. Betrügt sich nicht einmal mehr selbst. Lebt sich aus in seinen taubenfüßigen Wunden und will nicht mehr geleckt werden, denn wahre Liebe bewegt sich nur in seinem Schatten.
   Da hörte Edmond von ihm die kleine Geschichte vom Güterzug. Denn, so begann Ferdinand die ersten Worte aus seiner Kehle heraus zu räuspern, schon als Kind wusste ich, egal durch welche Städte, Länder oder Frauen es mich führt, dass mein Leben mich hierhin wieder zurückführen wird, hierhin, wo ich schon als Kind die Waggons der Güterzüge gezählt habe, die die Eisenrohre und allerlei verrostete oder silberblitzend neue Teile zum Stahlwerk im Nachbarort transportiert haben. Das Werk, wo sie hinfuhren, hieß Max braucht Schrott. Meistens, nach zwei oder drei Stunden, kam derselbe Güterzug – erkannt habe ich ihn an der Lok – mit den vielen Waggons, diesmal aber unbeladen, hier wieder vorbei. Und ich wusste sofort, ob nun ein Waggon dazugekommen oder abgehängt worden ist. Das Schönste aber war, dass die Dampfloks in regelmäßigen Abständen laut zischend eine volle Ladung weißen Dampf durch das enge Rohr in die Luft pfiffen. Ich glaubte damals, und eigentlich tu’ es heute immer noch, dass mich der Zugführer auf diese Weise grüßen wollte. Vielleicht wollte er mich sogar mitnehmen, irgendwohin, wo ein Traum auf mich wartet. Weit weg von hier, weit weg von mir. Das regelmäßige Klacken der Eisenräder auf den Schienen schubste mich in mein Alleinsein, was ich aber nie wirklich gewesen bin.
   Ferdinand hielt kurz inne, während er sich genüsslich in die Rückenlehne der Holzbank zurücklegte und tief durchatmete, als bestäube er mit seinen vielen Erinnerungen und Gedanken das weite Land um sich herum. Selbst der bluttrockenrote Felsen des Russenberges schien andächtig zugehört  zu haben. Dann sagte er mit Tränen in den Augen: Träume wollen uns daran erinnern, dass wir eigentlich irgendwo anders leben.

Francois Celavy



Was kommt im Mai? ein jeder weiß es:
Das sind die Heiligen des Eises.
Das ist der Grund, warum im Garten
man sollt, mit Bohnenlegen warten. 

Doch was ist los? Statt Kälte Hitze,
und statt des Eises auch noch Blitze?
Ist das das rechte Maienwetter?
sind da vertauscht Kalenderblätter? 

Ich stehe ratlos und erzitter
jetzt beim Eis-Heil'gen-Gewitter
und frag, ob dann im Sommer kommen
die Heiligen zu ihren Frommen. 

Werner Bühler



Dein Antlitz
in Schattenmonde
hält die Nacht
in den Wänden. 

Du verließest mich
und bist nur noch
Vision
einen gelebten
Episode
in der
virtuosen
Kammermusik
einer Liebe. 

Betti Fichtl



Betörend steigt ein Duft in meine Nase
ein Frühlingsduft – der Flieder blüht
und wenn ich dann die Augen beide schließe
die Seele manches besser sieht.
Der Duft des Flieders kann Erinn’rung wecken
an Kindertage – längst vorbei.
Die Blüten leuchten heute lilafarben
grad wieder so, wie einst im Mai. 

Werner Bühler


Tulpe feuerrot
umringt von Dornenhecken
nach Liebe fragen 

Manuel Göpferich



Manchmal
fehlen mir einfach die Worte
zu sagen,
was ich fühle, seh' und erlebe,
zu erzählen meine Gedanken
sie festzuhalten für mich
- und für dich 

Oder ist es ganz anders?
Vielleicht hab ich die Worte
und mir fehlt nur der Mut,
sie zu sagen... 

Vielleicht. 

Werner Bühler



Das Taxi näherte sich dem Flughafen. Jürgen Steiner war während der frühen Fahrt eingenickt und dämmerte im warmen Wagen vor sich hin. Er hatte einen angenehmen Tag vor sich, einen beruflichen Besuch in der Frankfurter Niederlassung. Keine Probleme in Sicht. Ein guter Tag. Und die Tage darauf waren frei. Freitag bis Montag. Zwangsurlaub; sein Chef hatte ihn dazu verdammt. Zu viele Resturlaubstage, hieß es, verfallen sonst. Stimmte sogar, er hatte sich auch in dieser Hinsicht wie ein Arbeitstier benommen.
„Welches Terminal?“, fragte der Taxifahrer.
Steiner schlug die Augen auf und antwortete mechanisch, „Terminal 2, Abflug, Lufthansa“. Wie üblich.
In diesem Augenblick bog das Taxi in die Kurve ein, die in einem weitem Bogen über eine Brücke auf den Flugplatz zuführte. Er erblickte das dunstige Rollfeld. Die erste Maschine, die er darauf ausmachte, war die weiße Air-France, die von hier aus nur ein Ziel kannte: Paris! Bei diesem Anblick schnürte sich seine Brust in ein und demselben Augenblick erst zusammen, dann erweiterte sie sich ins Unendliche. Die frühe Morgenmaschine nach Paris! Jedes Mal, wenn er an Paris dachte, sah er ein bestimmtes Gesicht vor sich.
Als sie sich vor fast 25 Jahren in Paris getrennt hatten, schien es einfach vorbei gewesen zu sein. Jeder ging am Gare Montparnasse in seine Richtung davon. Selten hatten sie noch etwas von einander gehört, einzelne Postkarten geschrieben. Aber Steiner erinnerte sich seitdem immer wieder an den Augenblick am Ende ihrer letzten Nacht, als der Morgen durch die angelehnten Fensterläden in die Wohnung im dritten Stock mitten in Paris hinein lugte.
„Eines Tages, wenn du schon lange nicht mehr an mich denkst, komme ich plötzlich hierher nach Paris und werde einfach da sein!“ Das hatte er damals so zu ihr gesagt. Er wusste noch jedes Wort. Sie hatte ihn angelächelt und ihren Arm um seinen Hals gelegt. Auf einmal ernst geworden, hatte sie geantwortet: „D’accord. Einverstanden“.
Er streckte sich, so gut es im Taxi eben ging. Er lächelte vor sich hin, sein Entschluss stand fest: Statt heute Abend nach Hamburg zurück zu kehren, würde er, so wie er war, direkt von Frankfurt nach Paris fliegen. Ohne Gepäck. Einfach abwarten und sehen, was passieren würde. Einfach einmal nur sein, einfach da sein. 

Wolfgang Bremer



Genauso wie schon manches Jahr
sehn wir sie jetzt in voller Pracht:
das frische Grün
mit weiß und gelben Tupfen
und außerdem auch rot und blau –
bunt wie das Leben sind die Wiesen.
Ein Duftgemisch
Von Blumen
und von frischem Gras... 

Vom blauen Himmel
tanzen sanft im Wind
viel kleine weiße Flöckchen
als Kirschenblütenfrühlingsschnee 

Werner Bühler



Wer wird nach deinen Spuren suchen
Und deinen Namen rufen 

Wer erinnert sich noch an die Worte
Auch Bücher können brennen 

Wer wird deinen Mund berühren
Vielleicht ein Wind... wird es dieser sein 

Wer wird in deine Augen schauen
Sahen sie doch die Schönheiten dieser Welt 

Wer wird die Furchen ziehen für die Saat
Das Brot will gebrochen sein 

Wer wird noch das Wort verkünden
Die Hoffnung benennen 

Wer wird die Segel setzen und den Fang einholen
An dem Tische saßen die Jünger 

Wer wird noch all die Lieder singen
Zum Tanze aufspielen, dreh dich im Kreis 

...all den "Großen" dieser Welt ein Erbe sein 

Wer ist es wert, all das zu bewahren
Deine Füße tragen eine sterbliche Hülle 

Sabine Fenner



April, April -
der weiß nicht,
was er will! 

Ist das denn wahr?
Mir wurde heut
ganz plötzlich klar, 

wie's wirklich ist:
Er hat ein Ziel
und voller List 

macht er ganz schnell
die Bäum im Wald
schon grün und hell. 

Er denkt dabei:
"Bleib ich April?
Nein, ich werd' Mai!"

Werner Bühler



Du unglücklicher Poet
Erwacht aus dem
Traum der dich in
Der Wirklichkeit einholte
Und fast tötete. 

Walter M. Stütz



Spanien! – Spanien? Wie: Spanien? Spanien, das war der einzige Blackout meines Lebens, aber so richtig. Das Wetter war schön, wie es dort wohl allgemein üblich ist. Ich kenne jedenfalls nur Fotos mit Sonne drauf. Nette Leute, und dann diese Feier. E viva Espagna. Eigentlich so eine übliche Touristenfeier mit furchtbarer Musik und haufenweise fröhlichen Urlaubern, darunter natürlich herrlichen Frauen, so sage ich heute, damals hätte ich natürlich Mädchen gesagt. Lumumba hieß das, was wir getrunken haben, das war kalter Kakao mit Rum; und Bacardi Cola, das waren die Renner. Abends am Strand oder in den Hotelzimmern. Und dann dieses Fest mit den Sangria-Karaffen auf den Tischen. Verdammt süß, verdammt lecker. Viel getanzt haben wir, herrlich gefeiert, die furchtbare Musik war gar nicht mehr so ganz furchtbar. Vorher Sangria, zwischendurch Sangria. Danach überwiegen mehr die Erinnerungssplitter. In einer Disco ein Beinahe-Streit und mein Stuhl, der auf einmal verschwunden war und ich auf dem harten Fußboden ungebremst aufsetzte. In einem Hotelfahrstuhl mit meinem Urlaubskumpel Dieter sitzend endlos rauf und runter gefahren, bis man uns da raus geholt hat. – Dann der nächste Morgen. Mein erster Gedanke: Wo bin ich? Erstaunlich schnell darauf der zweite, fast philosophische Gedanke, der schon die großen Denker aller Zeiten bewegt hat: Wer bin ich? Nächste Sekunde: Uhhhh. Aber dann das Aufatmen: ich musste nachts nicht  im Klo kotzen! Dann: ein Blick um mich herum im Bett; jetzt wusste ich, wieso ich nicht im Klo kotzen musste. Etwas später am morgendlichen Pool: wie gut es tut, dass meine Eltern nicht weiter fragten, sondern es mit einem Blick gut sein ließen. Den ganzen Tag dann mein bis heute bleibendes Spanien-Gefühl: wie gut es ist, nichts zu erledigen zu haben, einfach sein zu können. Mein heutiger Blick zurück: wie gut es gewesen ist,  fünfzehn zu sein. Und in Spanien gewesen zu sein. 

Wolfgang Bremer



Die Nacht
ist geschwängert
mit Träumen. 

Sie gebieren
auf Sterneninseln
umflammt
von ihrem
silbernen Feuer. 

Werden gestaltig -
bleiben nur Träume 

Betti Fichtl .



Trauerndes Glücksklee, sei meine Glücksfee
Vier Blätter mit weißen Herzen
Kann’s denn so schmerzen 

Pflückt es voll Ehrfurcht
Nahms mit im Schritt
Schon beganns zu welken
Ach wie bereut ich’s
Den Tod schnellen Glücks. 

Walter M. Stütz



Kapuzen tragend
    stehen sie im Regen
  im süßen Duft
      der Zigaretten 

Pforzheimer Bahnhof
      bleibt in Erinnerung 

Gnade lag
                 im Dichten 

warten auf die Traufe 

Manuel Göpferich



Zunehmendes Licht

... o Ovid, öffne dich ...!? 

Ab, ach hab acht, was dieser Monat gegenwärtig tatsächlich macht.
Der Vogel fängt die Graupel im Gestöber göttlichster Trunk.
Fenster weiß verbreit, ach Kinder wies im April noch schneit.
Die frische Spur im Schnee verrät den Feind, der späht und theodisce Blutspur säht.
So hart so derb so herb, gefrorenes Blut in diesen Körpern harrt, die Kalten Bauern, April, Pack sie am Kragen, daß sie erweichen ohne Klagen und versteiner dieses Seelengericht in E.
Mit Ellen in den Wangen, statt des Rosensafts so lind, mein Kind, dies E., das blutklumpensteins Versagt, verschwind geschwind mit all deinen Psycho-Diploms in korrumpierten Hosen statt in Weibs- und Mannsgehirn. Biet ihnen die Stirn, den Geldvernichtern, die nichts wissen ob den Dichtern, die sie verdrängen und insgeheim im Stillen hängen. Willkür des April, hundert tausend mal menschlich er, und macht ewig was er will versus Abscheulichkeit, du Mensch.

Walter M. Stütz



Schier unendliche Weite
auf sandsanftem Strand
in meinen Ohren Musik –
jahrhundertealt ist die Weise
in stets wiederkehrenden Rhythmen
sich wiederholendes Rauschen. 

Komponiert von der Natur
beständiges Spiel
von Wasser und Sand –
Ewige Sinfonie
der Wellen am Strand
dirigiert von den Winden des Meeres. 

Dazu bei jedem Schritt
den ich gehe
Muschelgeknirsch -
und über mir kreischen die Möwen.... 

Werner Bühler



Ein Morgen
rutscht
von einem Flügel
der Nacht
zartgrau
im Auftakt
eines einzelnen Vogels. 

Meditiert
taufeucht
im blasssilbernen
Sonnenaufgang
zum
Violento
des Windes. 

Visiell
noch
in sich gekehrt. 

Betti Fichtl



Die Engel auf der Autobahn
tun gar manchmal gut daran,
all die Idioten zu entfernen,
die die Regeln niemals lernen. 

Sie gucken und sie gaffen,
ein Benehmen, wie die Affen.
Doch ist der Unfall erst passiert,
man nach des Engels Hilfe giert. 

Manch Engel leider kommt zu spät,
vergebens wird er angefleht.
Manche übertreiben's halt,
zerstören 's Leben mit roher Gewalt. 

Engel haben's oft nicht leicht,
ihre Geduld scheinbar unendlich reicht.
Schweigend führen sie durchs Leben,
was können wir zum Dank ihnen geben? 

Angelika Hüneborg



Goldblättrige
Momente
perlt
das Glück
und spannt
die Schwingen. 

Sie strahlen
und küren
mögen
sie bleiben. 

Betti Fichtl


Forsythien

Goldflieder,
du feuriger
Ölbaum im März. 

Besprengst Auge und Herz
blühen auf
nicht ohne Schmerz. 

Rührst süß ins Blut
holde Gefühle,
bist das Gelbe vom Ei
in der Liebe. 

Ach,
wie ichs nur befriede
so frisch diese Triebe. 

Walter M. Stütz



Karfreitag...
Angst? 

Hoffnung
dass es weitergeht
und gut wird. 

Vater, in deine Hände gebe ich meinen Geist - 

Anklage...
Angst? 

Vertrauen
dass es weitergeht
und gut wird. 

Vater, in deine Hände gebe ich meinen Geist -
mein Leben. 

Verurteilung...
Angst? 

Gewissheit
dass es weitergeht
und gut wird. 

Vater, in deine Hände gebe ich meinen Geist -
meine Zukunft. 

Tod...
Angst? 

Leben
das weitergeht
und gut wird. 

Vater, in deine Hände gebe ich meinen Geist -
geborgen in dir Gott... 

Ostern 

Werner Bühler



Wir schafften beim ersten Versuche -
und zwar mit fast keinem Fluche
von Ort zu Ort
heut den Transport
der schweren Stücke der Buche

Sie sah noch nie die Ardennen,
nur die Eifel lernte sie kennen
darauf war das Holz
ganz mächtig stolz -
und doch muss sie nächstes Jahr brennen.

Die Wintertage die kalten
soll sie mit Wärme gestalten.
Sie ist schon zersägt,
in Stücke zerlegt.
Jetzt müssen wir diese noch spalten.

 Werner Bühler



Kochertals Welland
Man glaubt es kaum
Motoren und Düsenjäger
(dreißig Meter über Tannenspitzen)
Den Verstand verloren
Rasen als seien Straßen und Wege
Schumachers Start- und Ziel im Wege.

Walter M. Stütz



Wer immer den gleichen Weg geht,
weiß die Schönheiten am Rande nicht mehr zu schätzen.

Mary West



Mondlicht
im Haar
auf Deinem Gesicht
um uns
rezitiert
die Nacht
Liebesgedichte. 

Betropft
die dunkelblauen
Momente
mit Glück
einen Steig
sternenwärts. 

Betti Fichtl



Polonaise
des Schnees
auf Schneeglöckchen
und gesprossenes Grün. 

Endet
und verweht
zu weißem Wolkenschaum
auf einem
blassen Sonnenstrahl
zupft
der Wind
ein Vibrato
zu den  klassischen Weisen
der angekommenen Vögel. 

Im Wechselschritt
des jungen Frühlings.  

Betti Fichtl



Dunkle Metapher
entzündetes Licht
Vollmond
der Tag wehrt gegen die Nacht
die Nacht gegen den Tag
die Hand gegen den Kopf
der Kopf gegen die Hand 

Walter M. Stütz



Warum warst Du nicht ehrlich
ehrlich zu dir und zu mir  

Warum hast Du mich benutz
Benutzt, um auszubrechen  

Warum hast Du mit mir gespielt
gespielt weil Du dich selbst nicht fühlst  

Warum hast Du mir nicht vertraut
mir deine Sorgen anvertraut  

Warum konntest Du nie reden
über das was Dir fehlt  

Warum musstest Du mir
den Glauben an die Liebe nehmen
nur weil Du nicht lieben kannst  

Warum fehlt Dir der Mut
deine Fehler einzugestehen  

Warum bin ich es deinen Augen
nicht wert um Verzeihung zu bitten  

Warum will ich Dich
trotz allem zurück  

Warum? 

Klaus D. Ebert



In die Sehschlitze der Borke
Sticht züngelt der Schnabel
Mit spähendem Kopf
Vollendete Wachsamkeit. 

Walter M. Stütz



Aufgehende Seele
im hell gewordenen Tag
über wachsendem Grün
und Frühlingsblumen
den Ständchen
der Vögel. 

Trinkt
von den Lüften
in sanfter Sonne
hört dem Allegro
eines Regens zu - 

Und lächelt.  

Betti Fichtl



Weder Staatsanwaltschaft
Noch Kripo
Konnten mich vernichten
Doch du hast es geschafft
Hast das Letzte was ich noch hatte
Mein Selbstbewusstsein
Und meinen Glauben
An die Kraft der Liebe
Komplett zerstört
Das es die Frau ist
Die ich liebe
Die mir alles
Aber auch alles nimmt
Hätte ich nie
Für möglich gehalten 

Klaus D. Ebert



In diesem Jahr kommt es mir vor,
so früh wie niemals noch zuvor:
Die Krokusblüte will beginnen
und ich fang an mich zu besinnen
auf diese alte schwere Frage
s ist jedes Jahr – die selbe Plage:
Ob Ihr mir helfen könnt und wisst,
wie es nun wirklich richtig ist?
Wenn ich vor einem Krokus stehe
Und neben dran noch weitre sehe:
Ich weiß es nicht – ganz ungelogen:
Der eine sagt: ja es sind Kroken?
Der andre: Nein so kanns nicht gehen:
Kroküsse, Kroki? gar Krokeen?
Oder sagt man zu den netten
kleinen Blüten jetzt: Kroketten?
Oder heißt’s zum guten Schlusse
am Ende doch: es sind Krokusse?

Werner Bühler



Wolken - Rhönräder
in purpurnen Feuerzungen
über dem Tagausklang. 

Zerrinnen
zu blauer Nacht
und Schweigen. 

Unantastbar
an einer
Ewigkeit. 

Betti Fichtl  



Krabbelt langsam zur Fensterwand
Von der fliegt er geradenwegs
flugs auf mein Gedicht wo er
nun wohl in der Tinte sitzt
wie im frischen Teer auf einer Straße.  

Mit der Nadel angele ich ihn heraus
Denn den lieb ich wie meine Maus währendem
Auf zwei Beinen lacht sie mich aus. 

Walter M. Stütz



Ist's denn wahr?
Im neuen Jahr
immer nur
Regen pur? -
's ist kein Spaß:
nass!
 
Ohne End
vom Firmament
Regen fällt
In Wald und Feld
- so ein Quatsch - 
Matsch!
------------
OH! Komm, schau!
Himmelsblau!
schön und hell!
drum ganz schnell
aus dem Haus
raus!    

Was mach ich, wenn es nicht regnet -
mir kein einziger Tropfen begegnet?
An Regen zu denken
kann ich mir schenken,
wenn Sonnenschein mich jetzt segnet. 

Ja ueber den Waeldern den kahlen
erscheinen nun sonnige Strahlen,
um Wald und Flur,
ja die ganze Natur
mit neuem Glanz zu bemalen.                

Zu meinem Glück sind noch die Socken
trocken.
Doch hier an's Fenster klopfen
Tropfen
Da kann ich Dir von Scheiben
schreiben,
die werden nun vom Wasser
nasser.
Und in des Regens Brühe:
Kühe
waten im Matsch
Platsch!
So ein Stuss-
Schluss!
Oh weh 

Werner Bühler



Sag mir ins Gesicht
Dass Du mich nicht liebst
Sieh mir dabei
Offen in die Augen
Und ich geh für immer
Auch wenn ich dir
Das nicht glauben werde
Bitterlich weinen werde
Doch das
muss dir dann ja egal sein,
Denn dann
Verschwinde ich endgültig
Aus deinem Leben
Für immer
So wie ich Dich
Immer lieben werde
Solange ich lebe 

Klaus D. Ebert



Im Schneckenhaus brennt niemals Licht -
Ein solches Leben liegt mir nicht;
Mir liegt viel mehr das Helle! 

Des Schneckentiers Geschwindigkeit
Ist mir zu lahm, sie kommt nicht weit;
Mir liegt viel mehr das Schnelle! 

Als Schnecke wär mir gar nicht wohl:
Hier ein Salat - und dort ein Kohl -
Dazwischen: lange Strecke. 

Wenn ich es einmal eilig hab,
dann nehm ich meinen Wanderstab,
Und biege um die Ecke. 

Werner Bühler



Ich fuhr mit der Bahn mal durch Minden,
Da sah ich auch ein paar Linden
und dachte mir: Dort
ist an diesem Ort
Intressanteres sicher zu finden. 

Dass dies nicht ganz stimmt, weiß ein jeder.
Drum mach bitte jetzt kein Gezeter.
Ich schaute dort nur
Grad mal  auf die Uhr.
An Linden dacht ich erst später. 

Werner Bühler



Irgendwas hat es ausgelöst
Den Knoten in mir zerschlagen
Ich hab meine Zweifel abgelegt
Was wahre Wunder bewirkt
Denn nun beginne ich
Meine alten Kräfte
Zurück zu gewinnen
Fühl plötzlich wieder viel mehr
Und bin in der Lage
Mit meinen Gedanken
Kraft zu geben
Bin wieder ein
Wächter der Nacht
Wie Dozor sie nennt 

Klaus D. Ebert


Ein Gedicht von Werner Bühler



Dass ich Dich liebe
Und immer lieben werde
Ich kann nichts dafür
Und daran
Wird sich nichts ändern
Solange ich
Auf dieser Erde bin
Du bist nun mal
Das Beste
Was ich in meinem
Kleinen Leben hatte 

Klaus D. Ebert



kein Moment
            gefangen
:Leben fließt
            Zeit
wird zu Raum
            wird zur Obsession
und ohnehin
            habe wir keine Zeit
            sind nicht in der Zeit
hassen und verachten             

            kein Erbarmen
:Leben fließt
            kein Halten
               (Zeit vergeht) 

 II Harmonie 

Seelenfrieden
            belogen
Schmerzen
            verweilen
Bruchstücke bleiben
            fügen sich 

in diesen Stunden
            zur
                 vagen
Harmonie 

 III Liebe 

Ideale                                                                                                                                                                  der Liebe
sterbend 

inspirieren
            das Leben
sterbend 

und der Mensch
            folgt seinem
Wesen

Manuel Göpferich



Das also war es nun, das Jahr
das für uns voll Erwartung war.
Was war das doch für ein Getöse
zu feiern dieses Jahres Größe -
Wir waren stolz auf den Beginn
als wäre es ein Hauptgewinn. 

Doch schaun wir's an, dies alte Jahr,
s war fast genau, wie's immer war.
Ich hab in all den Tagen, Stunden
nicht viel besonderes gefunden.
Es war nicht besser, war nicht schlechter;
Die Welt, sie wurde nicht gerechter. 

Nun ist's vorbei, nun ist's zu Ende.
Ob wohl das nächste bringt die Wende?
S wäre schön, in allen Bruderkriegen
würde endlich die Vernunft mal siegen.
Und alle Waffen würden rosten
im nahen wie im fernen Osten. 

Werner Bühler



Ein jeder Tag
hat seine Plag?
Das kann uns doch nicht schrecken. 

Schau nur recht hin:
mit wachem Sinn
wirst Schönes du entdecken! 

Werner Bühler



Eins ist klar:
Vorbei ist's Jahr. 

oder: 

Das Jahr ist um:
das ist dumm. 

oder: 

Bruder und Schwester
feiern Silvester. 

oder: 

Wenn's alte Jahr
euch hat gefallen,
dann lasst getrost
die Korken knallen! 

Werner Bühler



Drei Wörter schrieb ich
Auf ein blutiges Blatt.
Ein Wort für dich,
Ein Wort für mich und
Das letzte Wort an das ungerechte Leben. 

Für dich schrieb ich;
Freundschaft,
Die über unseren Tod hinausgeht,
Die länger hält als die Ewigkeit! 

Für mich schrieb ich;
Heimat,
Die ich nicht mehr habe,
Die ich im Jenseits wieder finden werde! 

Für das Leben schrieb ich;
Sehnsucht,
Die im Leben nie gestillt zu werden scheint,
Die mich betrogen hat in jedem Pulsschlag
Meines Lebens! 

Felek Aytan



Heute weine ich
Seit langem
Zum ersten Mal
Tränen
Tränen des Glücks
Denn mir ist
Ein Licht aufgegangen
Das mir gezeigt hat
Was Liebe ist 

Klaus D. Ebert



Den Dirigent
ein jeder kennt;
bekannt auch ist
der Organist. 

Zuerst fängt an
hoch der Sopran;
dann gibt der Alt
dem Lied Gestalt. 

Singt der Tenor,
ist man ganz Ohr;
und auf den Bass
ist stets Verlass. 

Werner Bühler



Die Frau
suchte sich dann
ein Revier aus
und beschloss
auf Männer
Jagd zu machen. 

Doch bald
wusste sie nicht mehr
ob sie die Jägerin
oder
die Gejagte war. 

Alfred Zoppelt



Weißt Du noch, dass ich dir die Sterne vom Himmel holen wollte,
Um unseren gemeinsamen Traum vom Glück zu erfüllen?
Doch dann verdunkelte sich der Himmel zwischen uns
Und Du gabst ihn auf, den gemeinsamen Traum
Glaubtest nicht mehr an ihn, weil Du
Einfach viel zu viel aushalten musstest in dieser Zeit 

Doch heute Nacht streckte ich mich dem Himmel entgegen
Weil ich immer noch an ihn glaube ihn geträumt hab
Und ein Stern fiel in meine Hand, war noch warm und zeigte mir,
Dass Träume nicht immer sofort in Erfüllung gehen
Sondern nur dann, wenn man sie weiter träumt
Nicht aufhört an ihn zu glauben. 

Klaus D. Ebert



Sie sitzt dort,
gedankenverloren sieht sie ihr Gesicht im Schein des Fensters.
Ich schau ihr zu,
eine Träne fällt und darauf folgen weitere -
unaufhörlich! 

Sie schaut abwesend den flimmernden Lichtern nach,
sie spürt die Freude um ihren Körper.
Ich schau ihr zu,
auf ihren Wangen erkenne ich den Weg der Tränen. 

Sie sitzt dort,
weint traurig und schaut verwirrt um sich -
fängt meinen Blick auf und weint noch mehr.
Ich gebe ihr ein Taschentuch. 

Sie sitzt dort und lächelt mich traurig an.
Die Bahn hält an, sie steht auf,
tritt vor die Tür, dreht sich noch um -
und sagt traurig "Danke". 

Ich sitze dort,
sehe mich im Schein des Fensters,
sehe den vorbeiflimmernden Lichtern nach -
fühle ihre Abwesenheit und fühle mich einsam! 

Felek Aytan



Das Lächeln einer Frau
kann Brücken bauen
und tiefe Gräben
zuschütten. 

Das Lächeln einer Frau
kann Wunden heilen
und Schmerzen
lindern. 

Das Lächeln einer Frau
ist wie ein Verband
oder
wie eine Arznei. 

Die Welt
wird von Männern regiert
und sie sollten öfter
lächeln wie eine Frau.                                          

Alfred Zoppelt



H eiter,
E rnsthaft
U nd
T emperamentvoll –
E igenwillig. 

M eist
O hne
R echthaberisches
G etue,
E infach
N ur 

I n
M anchmal
M ühevollem
E rleben
R eifend. 

Werner Bühler



So also beginnt
der Herbst
in den Bergen.
Als Rauch,
der wie eine Riesenschlange
aus einem Schornstein
kriecht
und sich verteilt
auf den Wald
und auf die Felder.
Die Sonne ist schwach
und der Himmel sieht aus
als hätte er eine Entzündung.
Gegen Abend dann
ein kleiner Spaziergang
an den Wochenendhäusern vorüber,
die auch tagsüber
keine Schlaftablette brauchen,
um gut zu schlafen.
Ein kalter Wind
lässt die Wipfel der Bäume
zittern
und ich hülle mich fester
in meine Jacke ein.
Am Samstag fahre ich
mit meinem Koffer
und mit einer Frage
in die Stadt zurück.
Die Frage lautet:
Wie wird es hier oben
im Winter sein?

Alfred Zoppelt



Für jeden Tag
An dem wir
Glücklich waren
Auch wenn’s davon
Nicht viele gab
Es macht mich traurig
Das wir nicht mehr Zeit hatten
Um es zu schaffen
Denn es war trotz allem
Unendlich schön
Ich hoffe Du findest
Was Du gesucht hast
Und wirst glücklich
Dass wünsche ich Dir 

Klaus D. Ebert



Ich muss schon sagen,
Ihr ward schlaue Leut! 

Doch wenn Ihr heut noch lebet -
Ihr euch nicht mehr freut! 

Die Wirtschaft ist am Ende,
die Autos wechseln sich behände. 

Die Gesetzgeber erzählen nur noch dummes Zeug
Und die kleinen Leut

Stehen hilflos zwischendrin.
Wo auch ich bin. 

Jana Schulze



dunkle Wellen brechen in schäumender Gischt,
Insel verhangen im letzten Sonnenlicht 

Pirateninsel wurde sie genannt und kein Feind traute sich hier an Land
Schätze wurden hier versteckt und keinem wurde je Bekannt wo sich der Ort der Reichtümer befand 

Pirat aus ganzer Seele, ein Leben voller Verzicht
nun sitze ich hier am Ufer und warte auf Dich. 

Ich war deine Piratenbraut, vor so vielen Jahren
nahmst du mich mit auf eine Reise voller Gefahren 

Doch nach all der Zeit im Kampfe gestählt
hast du hier deine letzte Ruhestätte gewählt 

Die Klippen umgeben dein kühles Grab
und ich schaue sehnsüchtig auf  und erinnere mich an den Verrat
gestorben durch des Feindes Hand der sich dennoch Freund genannt 

Voller Liebe erinnere ich mich zurück
kein Schatten trübte unser Glück 

Wie Brüder trankt ihr den besten Wein
Nach einem Streit konntet ihr euch immer verzeihn 

Freund hat er sich genannt und als er mich sah
verlor er seinen Verstand 

Hatte nur ein Sehnen in einer stürmischen Nacht beschwor mich mit ihm zu kommen
doch ich liebte dich meinen Pirat so wild und verkommen 

Doch meine Liebe war nicht stark genug denn sie konnte dich  nicht beschützen vor
dem Betrug.  

Er lockte dich auf die Insel mit Schätzen um sie zu erlangen
doch als du mit ihm kamst schlug er dich dort zusammen 

Sein Dolch bohrte sich in dein Herz,
ich sah es und verzehrte mich vor Schmerz 

Ich nahm den Dolch und stach ihn tot
sein Blick erstarb vor Schmerz und Not 

Ich nahm dich meinen Pirat und legte dich in dein kühles Grab 

Seit dieser Zeit halte ich Wacht
und in jeder Vollmondnacht
seh ich dich aus der Tiefe des Meeres aufsteigen
und ich schau dir ins Gesicht und sehe dein Leiden 

Glutrot sinkt die Sonne am Horizont
Kreischend fliegen die Möwen davon
Heute werde ich dich wiedersehen
Werde ich dann mit dir gehen? 

Daniela Loske


Wannenbad 

Wenn ich in meiner Wanne bade.
hab oft ein Buch ich, um zu lesen.
Doch manches mal – so wie heut grade –
ist leider keins zur Hand gewesen. 

Was nun? Ich musste mich bequemen
statt nur hinauf zur Decke stieren,
mich selbst als Buch-Ersatz zu nehmen
ganz auf mich selbst mich konzentrieren.

Ich las ne Menge Altbekanntes,
doch fand ich auch so manches Neue,
betrachtete dann ganz gespannt es.
Nicht über alles ich mich freue. 

Da gibt’s viel Dummes und auch Schlechtes!
Ich fragte mich: Wird das noch schlimmer?
Und leider gibt’s auch ungerechtes.
Soll das so bleiben? NIE UND NIMMER!

Werner Bühler



Während andere Leute
Romane und Kurzgeschichten
schreiben,
während sie ganz heftig
und intensiv
mit der Prosa flirten,
schreibe ich Gedichte. 

Ich setze auf das Gedicht,
während sich die Prosa
sehr gut vorkommt,
während sie in Form
von dicken Romanen
in den Buchhandlungen der Welt
viel Platz einnimmt
und sich wichtig macht. 

Ich bin ein Sammler
und ein Jäger. 

Ich sammle Ideen
und ich jage
die Gazellen der Poesie. 

Alfred Zoppelt



Angst, ja, die habe ich
Kann langsam nicht mehr
Frage mich immer und immer wieder
Ob und wie lange ich noch durchhalten kann
Bin am Ende und mir graut
Vor meinem Geburtstag und noch mehr
Vor Heiligabend
Bangen und hoffen
Doch wie lange halt ich noch durch? 

Klaus D. Ebert 



Kämpfen war ihr Ziel,
zu leben ihr Wunsch
und jetzt nicht zu sterben ihre Hoffnung! 

Sie hat gekämpft
Für sich und nicht um Willen anderer.
Ihr Wunsch schien sich zu erfüllen,
denn sie ließ sich nicht  von Trauer einhüllen! 

Ihr Wille, ihr Mut und ihr Wunsch
Waren der Grund für die Teilnahme am Kampf,
am Kampf um das Leben, was für andere wertlos war,
war für sie das größte Geschenk Gottes! 

Ihre Hoffnung, die über alles siegte -
Über die Angst vor dem Ungewissen,
vor der Trauer ihre Familie allein zu lassen,
trotz allem funkelte es bis zum letzten Atemzug in ihren Augen. 

Felek Aytan



Winterlich
Weiße
Weihnachten
Würden
Wir
Wünschen.....  

Doch noch sieht es wirklich nicht danach aus.
Das Thermometer an unsrem Haus
zeigt jetzt im Dezember noch immer 8 Grad,
und Nikoläuse finden es fad,
dass sie kommen müssen ganz ohne den Schlitten.
Jetzt kommen sie halt auf Pferden geritten
wie sonst nur Sankt Martin kommt im November. –
Auch wenn ihrs nicht glaubt: es ist doch Dezember.

Werner Bühler



Was soll ich tun?
Von Sehnsucht erfüllt
Sie wird nicht gestillt
Wohin soll ich nun?
Dein Gesicht folgt mir überall
Deine Stimme klingt in meinen Ohren
Ohne dich bin ich verloren
Allein im kalten All
Halt mich warm
Ich kann nicht mehr
Das Atmen fällt mir so schwer
Lege um mich deinen Arm
Ich brauche deine Nähe
Du bist alles was ich habe
Mehr als ich ertrage
Wenn ich vor Schmerz vergehe
Wir sind zwei wandernde Sterne
Denn gemeinsam
Sind wir einsam
Und nah in weiter Ferne. 

Patrick Zimmerschied                                                                                                                



Vom Wind getrieben kommt vom Meer
so manches Segelschiff daher
Welle um Welle rauscht ans Land
umspült die Felsen, verebbt im Sand
Wasser und Wind - es braucht nicht viel
sie treiben das uralte Spiel
erzählen uns, wie's einstmals war
vor hundert, ja vor tausend Jahr. 

Werner Bühler                                                                                                        



Hol mich heim
ich halt's nicht mehr aus
bei mir
will zu dir
denn ich bin
nicht mehr ich
brauche dich
wie die Blume die Sonne
die im dunkeln
auch nicht blühen kann 

Klaus D. Ebert



Der Herbst ist die schönste Jahreszeit,
die Bäume bekommen ihr buntes Kleid,
wir danken für die warme Zeit,
bald kommt der Winter,
wo es schön schneit,
im Herbst da ziehen die Vögel von dannen,
wir ernten die Felder,
die goldgelben Früchte des Fleißes,
und hoffen voll frohen Erwartens,
das der Frühling möge erwachen. 

Daniela Loske



Du schweigst.
Blickst mich an
mit Deinen tiefen Augen.
Sie sagen viel
und
doch wieder nichts. 

Streichst Dein Haar aus dem Gesicht
und sprichst.
Deine tiefe Stimme ist so wohltuend.
Wie zarte Berührungen
ertasten sie meine Gedanken.
Versuchen Signale zu senden.
Doch sie kommen nie an.
Denn ich träume
Von Deinen sanften Händen,
welche so zart über die Saiten der Gitarre streichen
und sinnliche Töne aneinander reihen. 

Verzauberte Stille.
Meine Augen treffen Deine.
Für einen Moment sehe ich
Flammen aus Angst auflodern
- schnell und kurz. 

Und schon
wirfst du mir wieder leidenschaftliche Blicke zu.
Mit zartem Wimpernschlag
verführst Du mich.
In eine andere Welt
- in Deine Welt. 

Angelockt von Deinem männlichen Duft
folge ich Dir.
Egal wohin.
Nur weit, weit weg.
Von der Wirklichkeit.

Jana Schulze



Vom Leben lese ich in diesen Augen
erfülltem, langem Leben
das voll Würde sie gelebt. 

Ein off'nes Buch
in dem zu lesen Freude macht.
Ich sehe Kummerfalten,
die der Schmerz so manchen Abschieds grub;
doch auch die kleinen Fältchen um die Augen,
entstanden durch ein güt'ges Lächeln
für all die Freunde,
die sie um sich scharte. 

Vom Leben lese ich in diesen Augen,
von Sorgen und von Freuden
in den Falten des Gesichts. 

Werner Bühler



Einsamkeit, die da ist, wenn dich alle verlassen haben,
ist die Übung für die Ewigkeit,
so lasse dich nicht einhüllen von der Trauer-
sei glücklich, dass etwas bei dir ist. 

Die schönste Zeit für die Einsamkeit
Ist der herzlose Winter!
Menschen ohne Heim sitzen auf dem kalten Bahnhof
Und lachen, um nicht weinen zu müssen. 

Sie schauen zugleich voller Trauer und voll Glück,
den vorbei laufenden Menschen nach.
Trauer, weil sie im Leben kein Glück fanden
Und Glück, weil die anderen glücklich sind. 

Lass dich nicht vom Schein des Seins trügen,
lass dich nicht vom Glück des Lebens beflügeln,
sei Mutig deinen Weg zu gehen
denn sonst wird es dir wie oben geschehen!! 

Felek Aytan



Nicht Prosa
Nicht Lyrik
Einfach nur
für Dich 

Ich liebe Dich
Immer noch 

Will Dich
Immer noch
Zurück 

Will ein
Gemeinsames Glück 

Klaus D. Ebert



Am Anfang war der Blick
der unsere Sinne berührte
und sie in Wallungen brachte. 

Am Anfang waren die Worte,
welche wir uns hitzig zuwarfen.
Wie Kinder ihre bunten Spielbälle. 

Am Anfang waren es Gefühle,
die stetig wuchsen und gedeihten.
In prächtigen Farben und Gestalten. 

Am Anfang waren es Berührungen,
mit denen wir in vielen Stunden
unsere Körper erkundet haben. 

Am Ende war es Liebe. 

Jana Schulze



Im Halbrund des Chorraums
Sechsundzwanzig Stimmen
Durch unsichtbare Linien verbunden
Mit einem ruhenden Pol.
Ruhig, doch keineswegs unbewegt
Gibt er den Takt. -

Im Halbrund des Chorraums
Zusammenklingende Stimmen
Sich mischend im Kirchengewölbe
Eins werdender Klang
Hörbar gewordene Harmonie
Oh magnum mysteria.

Werner Bühler



Ich schaue aus dem Fenster und seh Dich schillernd stehen.
Nach all den Regentagen durchs Sonnenlicht gesehen.
So schön und wie ein Wunder so denk ich mit Bedacht,
gelobt seiest Du, oh Sonne, die dies hervorgebracht. 

Daniela Loske



Jedes Jahr wieder ist es an der Zeit,
Blätter in all ihrer Pracht
Fallen auf die Straßen –
Sie fallen wie Menschen, die von uns gehen. 

Sie wirbeln uns um die Ohren,
tanzen in der Nacht um die Wette,
auch wenn es scheint, sind sie dennoch nicht verloren,
so läuft sie ab die Lebenskette. 

Eins schöner, bunter und roter als das andere,
steht jedes Blatt doch für eine Träne
die jeden Tag von vielen vergossen wird. 

Kaum ist der Winter da,
ist sie von scheinbarer Unschuld bedeckt,
die Menschen sitzen in ihren beheizten Häusern
und die Trauer, die herrscht, ist vergessen, -
für eine kurze Dauer! 

Felek Aytan



verletzt, ja das bin ich
auch wenn ich
keine sichtbaren wunden habe
verletz ist meine Seele
trug Wunden davon
durch Handeln
und durch Schweigen
ich fühl mich
schwach
als wenn
all meine Kraft
aus dieser Wunde fließt
mich verlässt 

Klaus D. Ebert



Ich sitze manchmal einfach da
und schau empor zum Himmel
seh Wolken kommen und gehen,
seh wie sie aus nichts entstehen
und wie sie wieder vergehen....  

Ich sitze manchmal einfach da
und schaue hinein in mich selbst
da gibt es recht viel zu entdecken,
auch wenn ich’s versuch zu verstecken,
da sind sie die Kanten und Ecken.... 

Werner Bühler



Nun sitzt er da, der Spaß ist aus,
die Leute gehen jetzt nach Haus.
Der Regen fällt in Strömen sowie die Tränen auch.
Die Einsamkeit sie macht ihn krank, denn nie bekam er einen Dank.
Er ist der letzte seiner Art. Er ist  ein Clown wies keinen besseren gab.
Freunde, die hat er nie besessen, doch darauf war er nie versessen.
Sein Leben war in der Manege. Lampenfieber hat er schon lang nicht mehr.
Er wird nie wieder lachen und seine Scherze machen.
Denn er ist alt und müde, er war lang genug auf der Bühne. 

Leb wohl Du lieber netter Clown.
Für Dich war es ein schöner Traum.

Daniela Loske



Ach könnte ich die Welt mit deinen Augen sehen, sie sähe sicher anders aus.
Doch wär' sie reicher, schöner, bunter?
Mag sein - vielleicht auch nicht.
Ich würde sehen, was du siehst -
auch das, was nicht gefällt.
Doch würd' ich besser dann versteh'n,
wie du das Leben siehst,
und wie du denkst. 

Ach könntest du die Welt mit meinen Augen sehen, sie sähe sicher anders aus.
Doch wär' sie reicher, schöner, bunter?
Mag sein - vielleicht auch nicht.
Du würdest sehen, was ich sehe -
auch das, was nicht gefällt.
Doch würd'st du besser dann versteh'n,
wie ich das Leben sehe,
und wie ich denke. 

Ach könnten wir die Welt zusammen sehen
mit deinem und mit meinem Blick.
Sie wär' bestimmt um vieles größer,
ja, schön und bunt und reich.
Mag sein, dass manches schlecht aussähe.
Gerechter wär jedoch
dann unser Urteil, uns're Sicht.
Mit off'nen Augen seh'n wir
vielleicht dann klarer? 

Werner Bühler



Mehr als das Leben,
Mehr als die Sehnsucht nach Heimat-
Mehr als die röte um Herbst
Mehr als alles was ich wollte. 

Das alles gabt ihr mir,
Den größten Schatz der Welt! 

Frei mit euch will ich allemal sein,
Wie die Blätter
Welche durch die Lüfte schweben! 

Alles Leid, jede Freude
Jede Träne des Glücks-
Will ich mit euch teilen! 

Nicht wie Schnee
Auf Feuer soll diese Freundschaft sein,
Ich nahm eure Freundschaft und ihr meine Sehnsucht, Auf ewig und immer! 

Felek Aytan



Hast mich verzaubert
mit dem Pulver der Liebe.
In den Trank der Gefühle getaucht. 

Bin am Rand des Ertrinkens.
Doch -
die Ängste schwinden.
denn du bist da
und rettest mich. 

Wir verschmelzen wieder zu Eins
zwei Seelen
ineinander. 

Doch vom Strudel der Liebe erfasst
gezogen bis auf den Boden des Kelchs.
Wir beide.
- Gefangen im Glück.
Verloren für immer.
Auf dem Grund unserer Gefühle.

Jana Schulze



Ich schrei nach Dir
Nicht mit laut erhobener Stimme
Meine Lippen sind verschlossen
Meine Seele schreit
Leise, fast schon wimmernd
Hörst Du es nicht
Hast Du ihr nichts zu sagen? 

Klaus D. Ebert



Ich wollte es, doch ich kann es nicht,
Denn mein Herz macht was es will. 

Ich wollte loslassen
Und hatte auch allen Grund dazu
Und es hat auch immer mal wieder
Für einige Zeit funktioniert. 

Doch dann sagte mein Herz,
Dass mein Kopf den Mund halten soll.
Macht was es will und weckt immer
Und immer wieder den Traum,
Denn es war und ist
Der schönste Traum, den ich je hatte. 

Klaus D. Ebert



Behutsam voller Zärtlichkeit
zwei Hände
die dich liebend schützen
dem Erdreich gleich
in dem das Leben wächst
aus dem ein Pflänzchen sprießt
um zu gedeih'n.

Behutsam voller Zärtlichkeit
zwei Hände
die dein Leben tragen
ein fester Grund
auf dem du stehen wirst
auf dem du deine Schritte gehst
und weiter kommst

Behutsam voller Zärtlichkeit
zwei Hände
die Begleitung sind
wenn du sie brauchst
die dich entlassen dann
damit den eig'nen Weg
du finden kannst

Behutsam voller Zärtlichkeit
zwei Hände

Werner Bühler



T od lieber Menschen
R ührt uns zu Tränen.
A ber da ist auch
U nsere Hoffnung auf
E wige
R uhe für sie.


T ragt eure
R osen zum
O ffenen Grab
S ie besiegen die
T rauer. 


Schaufel um Schaufel
schwarzbrauner Erde
fällt auf den Sarg,
und Worte, Gedanken –
auch Blumen.
Tränen der Trauer,
Erinnerung.
Und dann
trotzdem
ein Lächeln. 

Werner Bühler



Fremdartige Klänge
über dem Ozean
mischen sich
in pendelnde Worte. 

Wir -
und  Du
im fernöstlichen Fluidum
entführst
uns als Zaungäste
in Tausend und eine Nacht. 

Und reichst
die Schalen
der Freundschaft. 

Betti Fichtl  



Am Anfang war der Blick
der unsere Sinne berührte
und sie in Wallungen brachte. 

Am Anfang waren die Worte,
welche wir uns hitzig zuwarfen.
Wie Kinder ihre bunten Spielbälle. 

Am Anfang waren es Gefühle,
die stetig wuchsen und gediehen.
In prächtigen Farben und Gestalten. 

Am Anfang waren es Berührungen,
mit denen wir in vielen Stunden
unsere Körper erkundet haben. 

Am Ende war es Liebe. 

Jana Schulze



Fliegen wie ein Schmetterling,
blühen wie eine Rose,
untergehen wie die Sonne,
danach sehnt sich meine tickende Seele. 

Jeder Pulsschlag vergrößert das Meer der Stunden - der Sehnsucht nach Heimat, die ziellose Sehnsucht - frisst mich auf wie Aasgeier einen Kadaver. 

Das Herz so klein wie ein Tropfen,
die Sehnsucht so groß wie das Meer,
so irre ich in den Sonnenstrahlen der Nacht umher, um das Ziel meiner Sehnsüchte, um meine Heimat zu finden. 

Ein Schmetterlingslauf einer blühenden Rosenwiese, während eines Sonnenuntergangs, danach sehnt sich meine tropfende Seele.
Die Heimat, die ich nicht zu finden scheine, die Heimat, dort wo ich weiß, wer ich bin. 

Diese Sehnsucht soll gestillt werden,
sonst stillt mich die Sehnsucht -
für immer! 

Felek Aytan



Scheint alles zu sein
Wenn man gegen Mauern rennt

Zumal wenn das Ziel
Das man ursächlich vor Augen hatte
Nicht mehr erreichbar ist

Belogen, betrogen und benutzt
Und trotzdem
Habe ich geliebt
Abgrundtief und ehrlich
Nie an mich gedacht
Denn das gemeinsame Ziel
Gab mir Kraft
Auch wenn es das gemeinsame Ziel
Vermutlich nie gab
Ich nur Mittel zum Zweck war

Da sitze ich nun
Fühl mich kraftlos
Will einfach nicht mehr
Hab genug
Denn ich finde
Meinen Frieden nicht 

Klaus D. Ebert



An diesem Spätsommertag
Ist alles so friedlich
Nicht mal ein leichter Windhauch
Weht mir
Die junge Brut
Putzt ihr Gefieder
Vorausschauend...
Und im Blau dieser Stunde
Kein Wort
Kein Gedanke
Kein Gedicht…
Die Ruhe vor dem Sturm

Sabine Fenner



Tränen rinnen durch mein Gesicht
Und mein Herz schreit
Schreit nach Dir 

Schreit nach Dir
Obwohl Du
Heute vor einem Jahr
In blindem Hass
Versucht hast
Mich zu zerstören
Doch ich weiß
Dass es kein Hass
Sondern verletze Liebe war 

Finde die Kraft
Zu dir zu stehen
Komm zurück
Denn Du warst
Und bist
Mein Glück 

Klaus D. Ebert 



Du schweigst.
Blickst mich an
mit Deinen tiefen Augen.
Sie sagen viel
und
doch wieder nichts. 

Streichst Dein Haar aus dem Gesicht
und sprichst.
Deine tiefe Stimme ist so wohltuend.
Wie zarte Berührungen
ertasten sie meine Gedanken.
Versuchen Signale zu senden.
Doch sie kommen nie an.
Denn ich träume
Von Deinen sanften Händen,
welche so zart über die Saiten der Gitarre streichen
und sinnliche Töne aneinander reihen. 

Verzauberte Stille.
Meine Augen treffen Deine.
Für einen Moment sehe ich
Flammen aus Angst auflodern
- schnell und kurz. 

Und schon
wirfst du mir wieder leidenschaftliche Blicke zu.
Mit zartem Wimpernschlag
verführst Du mich.
In eine andere Welt
- in Deine Welt. 

Angelockt von Deinem männlichen Duft
folge ich Dir.
Egal wohin.
Nur weit, weit weg.
Von der Wirklichkeit.

 Jana Schulze



Hast mich verzaubert
mit dem Pulver der Liebe.
In den Trank der Gefühle getaucht. 

Bin am Rand des Ertrinkens.
Doch -
die Ängste schwinden.
denn du bist da
und rettest mich. 

Wir verschmelzen wieder zu Eins
zwei Seelen
ineinander. 

Doch vom Strudel der Liebe erfasst
gezogen bis auf den Boden des Kelchs.
Wir beide.
- Gefangen im Glück.
Verloren für immer.
Auf dem Grund unserer Gefühle.

 Jana Schulze



Mir ist es egal
Wenn andere lachen
Weil ich noch ein Kind bin 

Mir ist es egal
Wenn andere den Kopf schütteln
Weil ich bin wie ich bin

Mir ist es egal
Wenn andere mich nicht verstehen
Weil ich an meinen Traum glaube 

Mir ist es egal
Wenn andere auf mich einreden
Weil mein Traum unvernünftig ist
Denn er muss nur mir gefallen 

Mir ist es egal
Das man mein Verhalten
Nicht rational erklären kann
Denn Liebe ist nicht rational
Ist ein Gefühl, mein Gefühl
Für dich 

Klaus D. Ebert



Lieben muss ich wie ich atmen muss,
doch aus meiner Leidenschaft wurde Verdruss.
So vielen Tränen schenkte ich neues Leben,
ich weinte sie ganz hemmungslos leise und in einsamer Nacht.
Hättest du es gesehen, du hättest wahrscheinlich gelacht.
Der Mond ist mein Wächter und im Mondenschein fühle ich mich
auf einmal schon nicht mehr so allein,
holt er mich doch aus meiner Traurigkeit, aus den tiefsten Gründen
meiner Hoffnungslosigkeit.
Trocknet mir die Tränen und ich sehe ihn an,
sehe seine kalte Schönheit in seiner Unwiederbringlichkeit.
spüre ich Leben Hoffung und auch Kraft. 

Mondgeflüster hat mich verzaubert in dieser Nacht......... 

Daniela Loske



Glanz der Schatten,
Schein der Körper
überall
und doch nicht sichtbar.
Wo weilt ihr
wenn nicht hier? 

Ist das Dort
im Nirgendwo,
wo das Mögliche
unmöglich wird
oder ist der Schatten
meines Körpers
schon längst
zu Staub zerfallen? 

Bin ich dann -
Dort? 

Jasmin Ludorf



Der Bach
sucht sich einen Weg
durch Baum und Strauch. 

Im Schutz
des Waldes.
Schlängelt
sich durch die Welt.
Sommer wie Winter. 

Wohin er wohl führen mag?
Er sieht so viel.
Glück.
Unglück.
Freude.
Leid.
Und doch -
er bleibt stumm.
Beschwert sich nicht.
Über die knisternde Kälte des Winters.
Die sengende Hitze des Sommers. 

Tiefer Wald.
Ecken und Kanten.
Aber er findet seinen Weg.
Wenn auch nicht geradlinig. 

Der kleine Bach.
Ein großes Vorbild. 

Jana Schulze  



Augen gelb und leuchtend schön,
schauen aus dem Fenster wollen so viel sehen. 

In ihrer kleinen, stillen Welt gibt es alles was ihr gefällt.
Futter aus der Dose, gemütliche Plätzchen auf der Kommode. 

Träumen sich raus in die große weite Welt,
kennen nicht die Gefahr die sich ihnen da vielleicht stellt. 

Wollen soviel in ihrer kleinen Welt,
in der mehr als nur ein Menschenherz zählt. 

Herz voll Sehnsucht und voll Mut,
ist sie doch nur am träumen und tut dabei soviel versäumen. 

Ist das alles schon gewesen? Fragt sie sich und kehrt zurück zu ihrem wahren Wesen. Möchte ein Leben voll Bequemlichkeit da ist für Abenteuer nicht viel Zeit.  

Daniela Loske



Du bist die Quelle meiner Kräfte,
... bist der See an dem ich Ruh,
... bist der Ozean der Hoffnung,
bist mein Weg - stets immerzu.
Du bist die Sonne meines Lächelns,
... bist das Licht in dunkler Nacht,
... bist die Farbe meiner Freude,
bist der Stern - der mich bewacht.
Du bist die Hand an meiner Seite,
... bist mein Halt in schwacher Stund´,
... bist die Stütze wenn ich falle,
nur Du allein - mein Glückes Grund.
Du bist die Welt in der ich lebe,
... bist der Maßstab meiner Zeit,
... bist der liebste Mensch auf Erden,
ich wünsch mir Freundschaft - allezeit.

Diana Denk



Die Freunde sind schon längst nicht mehr Erinnerungen
nur noch dunkle Schatten
Besitztümer verbraucht
Nur ein vergilbtes Bild
Ein Stuhl, der ersten Generation
Füllen noch den Raum
In dem kein Wort mehr klingt
Der Körper nur noch Hülle
Der Geist verwirrt
Nur manchmal, wenn sie zu singen beginnen
Dann liegt auf den Lippen ein kleines Lächeln
Und die müden Hände klatschen ein letztes Mal im Takt

Sabine Fenner



Schäm dich nicht
Du hast keinen Grund dazu
denn Du bist wie Du bist
und so liebe ich Dich
auch wenn das nicht immer einfach ist 

Schäm dich nicht
denn das was Du getan hast
hast du getan
weil Du geglaubt hast
das das was man dir zeigte
so ist wie es aussah
so ist das eben
wenn man nur eine Seite sieht 

Schäm dich nicht
denn ich mach Dir
keine Vorwürfe
weil ich Dich liebe 

Klaus D. Ebert



Im Halbschatten
der geschlossenen
Bibliothek
erblickst du
vor dir liegend
ein offenes Buch
mit sieben Siegeln,
wie es lodernd brennt -
im Schein der Eiskristalle. 

Jasmin Ludorf



Das alte Herze ist müde
Hat es doch ein Leben lang
Versorgt, geliebt
Seinen Rhythmus übertragen 

Doch nun setzt es seine Signale
Die Herzwand porös
Die Klappen träge
Nimmt mit sich den Menschen
In deren Brust es Heimat fand 

Sabine Fenner



Es war einmal...

...in einem, kleinen, schönen Land mit vielen hohen Bergen. Das Land wurde Österland genannt. Dort gab es wunderschöne Täler und glasklare Seen, wo die Fische auf dem Grund zu sehen waren. Wo im Frühjahr auf den Wiesen viele schöne, wilde Blumen blühten und ein berauschender Blütenduft in der Luft schwebte und die Menschen betörte. Und die Maler zu einzigartigen Stillleben inspirierten. Wo der Winter sieben Monate dauerte und es knackig kalt war. Und die mit Schnee bedeckten Gipfel im Sonnenlicht glitzerten, als hätte der liebe Gott Säcke weise Diamanten darüber geschüttet. Dort herrschte Ruhe und Gelassenheit und auf den Bergen gab es liebliche Almen. Auf einer dieser Almen wohnte ein Einsiedler. Man nannte ihn aller Orts den Friedl mit der Fiedl. Er kein Fiedler, sondern ein Virtuose auf der Panflöte. Er holte sich seine Musik aus der Natur. Er hörte ihr zu. Wie der Wind rauschend durch Äste und Zweige fuhr und leise die Blätter bewegte. Oder brausend über die Bergkämme raste. Friedl stand ehrfürchtig und beeindruckt vor einem Wasserfall und sah zu, wie sich das Wasser tosend seinen Weg in das Tal bahnte. Es war ein Fest für seine Sinne, wenn er die Millionen von Wassertropfen im gleißenden Sonnenlicht sah und jeder Regenbogen beglückte sein Herz. Versunken hörte er zu, wenn der Bach ihm leise plätschernd sein Lied sang. All diese Eindrücke ließen Melodien in ihm entstehen. Nach einer gewissen Zeit brach er seine Auftritte ab und kehrte heim. Friedl genoss sein heimeliges altes Haus und die sagenhaft schöne Landschaft und malte sie. Zur selben Zeit lebten in einem anderen Land, nennen wir es Supernova, ein Ehepaar. Jörg und Augusta mit ihren Kindern Mario und Ana. Das Land war vor ein paar Jahren ein reiches Land gewesen die Menschen hatten alle Arbeit, waren wohlhabend und zufrieden und glücklich. In den letzten Jahren hatte sich das verändert. Es war eine neue Regierung an die Macht gekommen, denen  ihre Wohlhabenheit zu wenig war. Wissenschaftler, Ingenieure und Erfinder bekamen den Auftrag, die Maschinen schneller und die Bauwerke größer und die Erträge höher werden zu lassen. Und die Bosse der Fabriken mussten weniger Menschen für ihre Arbeit bezahlen und konnten somit einen Haufen Geld sparen und im Luxus leben. Es dauerte nicht lange und es gab solche Maschinen und es gab eine ganze Menge Leute, die keine Arbeit mehr hatten. Und es wurden mehr, die Bosse holten sich für die Arbeit die noch da war, billige Arbeiter aus armen Ländern in ihre Fabriken. Die Arbeiter, die keine Arbeit mehr hatten wurden unzufriedener und ärmer und die Bosse wurden reicher. Jörg und Augusta beobachteten, wie sich ihre Familien, Nachbarn und Bekannten, veränderten. Es war Missgunst und Neid unter den Menschen aufgekommen… 

Anette Engelbrecht



Blütenfeuer
im Mondenschein
Gewölbte Gräser
zaghaft flüsternd
Einsame Bäume
lautlos singend -
im Schattenwald. 

Tote Zweige
beharrlich schützend
die Blicke - fremd. 

Gewittermächte
schläfrig tastend
Sprödes Dickicht
Asche formend
Schattenwald
im Sternenlicht. 

Jasmin Ludorf



Gib mir bitte meinen Stolz zurück
meinen Stolz zurück den ich empfunden habe als ich sagen konnte, dass Du mein Partner bist 

Gib mir bitte meinen Stolz zurück
meinen Stolz den ich empfunden habe
wenn ich an meine kleine Familie dachte
eine Familie die ich früher nie hätte haben wollen weil ich den richtigen Partner dazu nicht hatte und die mir mit Dir so an Herz gewachsen ist weil Du die Richtige bist 

Gib mir bitte das Gefühl zurück,
dass Gefühl das ich hatte
wenn Du in meinen Armen glücklich warst
Gib mir bitte das Gefühl zurück,
dass Gefühl für Euch verantwortlich zu sein 

Gib mir bitte das Bild zurück,
das Bild wenn Du ganz friedlich geschlafen hast 

Gib mir bitte das Glück zurück,
komm einfach zurück!     

Klaus D. Ebert



Vor einigen Tagen blickte ich in die Küche und sah die dicken Zwiebeln, die auf einem Brett zum Schneiden bereit lagen. "Nein, ich werde euch nicht zerstückeln", dachte ich und erinnerte mich dabei an die früheren Versuche, die mir bereits tränenreiche Minuten und rote Augen beschert hatten. So gerne ich meiner Frau diese Arbeit abgenommen hätte, ich wusste, dass es mir wieder nicht gelingen würde. Spätestens nach einer Minute würden meine Augen zu Schlitzen werden, aus denen Wasserfälle sprudelnd herabflössen. Das Messer und auch die angeschnittene Frucht würden sich vor meinen Blicken nur noch verschwommene Konturen darstellen. Die letzte Konsequenz wäre die Flucht vor der Zwiebel.
Schon als kleiner Junge hatte ich immer so schnell als ich es nur konnte die Küche verlassen, wenn meine Mutter Zwiebeln schnitt. Dabei machten diese doch das Essen schmackhaft. Sie waren eines der wenigen Nahrungsmittel, die der kleine Garten hinter unserem Haus bereithielt.  Je nach Jahreszeit verfügten wir über selbstgezogene Salatköpfe, Strauchbohnen, etwas Porree, Kartoffeln und Rosenkohl. Zum Glück besaßen wir einige Apfel-, Pflaumen- und Birnbäume sowie einen Kirschbaum. Diese ganze Mischung von Erd-, Strauch- und Baumfrüchten machte uns das Leben leichter, half uns in dieser schlechten Zeit zu überleben.

                                                                                                         Der vollständige Text als pdf


Zerquetschter Körper
sonnenversenkte Gedärme
ausgetrocknetes Blut
zertrümmerter Schädel
leere Augenhöhlen
alles zerfressen
von Fliegenschwärmen
und Maden
liegt irgendwo im Nichts.
Zerknautschte Haut
verkniffenes Gesicht
Knopfaugen leuchten
dunkle Haare
kleine Hände
Abgenabelt
Schrei nach der Geburt
des neuen Lebens
am anderen Ende der Welt.

Gabriele Junker



Da reite ich dem Tag entgegen
Und zu den grauen Wolken hin
Was nützt der schönste Sommerregen
Wenn ich nun mal aus Zucker bin

Isabel Miss Ling



Es war einmal ein Apfelbaum, 
der hatte einen schönen Traum.
Er wollte auf der Wiese liegen 
und so seinen Tag genießen.
Tag ein, Tag aus, nur Äpfel tragen, 
lag ihm schon lange Zeit im Magen.
Doch eines Tages, dann oh Schreck, 
schnitt man ihm seine Äste weg.
Ach oh Graus, ihr könnt`s schon ahnen, 
man zog ihn aus der Erd` den armen.
Nun fiel er hin und reckte sich, 
hin auf die Wies` und streckte sich.
Es war fasst so wie in dem Traum, 
als Lady lag da, der Apfelbaum.
 
Roswitha Lunetta-Kapp 




Das letzte Lied ist längst verklungen
Die Sonne senkte sich
Umarmt schon die Nacht
Die Läden geschlossen
Der Mensch ruht in seinem Gemach
Nur die Träume hasten noch durchs Dunkel
Verschenken ihren Zauber für ein paar Stunden

Sabine Fenner



Schneller und schneller. Kein Stillstand. Immer nur vorwärts. Niemals rückwärts. Mit 25 mindestens fünf Jahre Berufserfahrung, fünf Semester im Ausland und danach? Immer weiter. Auf der Karriereleiter. Nicht ruhen. Nicht anhalten. Nicht denken. Immer nur weiter. Allein. Keine Zeit. Für nichts. Für niemanden. Schnelle Entspannung. Schnell. Ergebnis zählt. Essen im Stehen. Tabletten einwerfen. Schlafmangel. Keine Freizeit. Kein Leben. Keine Freunde. Nur weiter. Bloß nicht anhalten. Nicht nachdenken. Weiterbilden. Buckeln. Machen. Machen. Tun.

Mit 30 mindestens ein Magengeschwür, eine Panikattacke und danach? Nichts gelernt. Keine Zeit. Der Aufstieg. Endlich. Neuer Posten. Große Chance. Die Chance. Jetzt oder nie. Immer höher. Immer mehr. Nie genug. Mehr. Noch mehr. Immer mehr. Nie genug. Nicht ausruhen. Unersetzlich werden. Herzrasen. Tabletten. Mehr Tabletten. Alkohol. Mehr Alkohol. Zigaretten. Mehr Zigaretten. Joggen. Schneller Joggen. Einsamkeit. Zweifel. Angst. Die Jugend? Vorbei. Die Liebe? Keine Zeit. Die Freunde? Welche Freunde?

Mit 40 mindestens drei geregelte Mahlzeiten, drei Ruhephasen pro Tag und danach? Ruhe. Stille. Kneten. Laute Schreie. Manchmal. Schwebezustand. Gespräche. Malen. Singen. Tonfiguren formen. Spaziergänge im Park. Natur. Vogelzwitschern. Entspannung. Glückseligkeit. Frieden. Mit der Welt. Sich selbst. Endstation. Psychiatrie.

Anna Catharina von Rosenthal


Verse an vielen Abenden oder mächtige Ströme des Segens
Im Raunen und Rauschen sonniger Augen
Laß dich mich lauschen, mich vertauschen 

Im Langen und Bangen sich verzahnender Zangen
mein wild`Verlangen ist`s umfangen 

Und heilet die Zeit auch alle Wunden
Vertane Stunden die uns umwunden 

Wer stellet meine Uhren auf die volle Stund`?
Bist Du`s?  Du bist`s!  Bist Du`s?  Du bist`s! 

Thomas Hecht



Der altersschwache Akku meines nicht mehr ganz modischen Handys zwingt mich ab und zu, öffentliche Telefone zu benutzen.
Nun gibt es wohl auch Telefonzellen mit schalldämmenden Wänden und Schutz gegen Wind und Regen. Die sind auch notwendig, denn da wo ich wohne, wird anscheinend das Wetter für Europa gekocht. Die Einwohner unserer Gegend buchen daher meist schon im Winter ihren Sommerurlaub.
Nahe meiner Wohnung steht leider nur eine von diesen offenen, fürchterlich modernen Telefonsäulen, bei denen der Benutzer Wind und Wetter ausgesetzt ist. Außerdem kann jedermann, wenn er will, das Gespräch mitbekommen, wenn er nur nah genug dabei steht.
Neulich wollte ich auf dem Weg nach Hause solch ein Ungetüm benutzen.
Diese neumodische, edelstahlene, unpraktische und ungemütliche Telefonsäule mit dem magentafarbenen prangenden T beherrscht einen kleinen Vorplatz. Leider führt die Hauptstraße mit ihren lärmenden Autos, Bussen und Lastwagen so nahe an ihm vorbei, dass das Telefonieren sehr mühsam ist. Ein junger Mann mit speckiger Fransenjacke, Blue Jeans und Cowboystiefeln presste den Hörer an seine Wange. Trotz des Verkehrslärms bekam ich ein paar Wortfetzen mit: „Ja Tante, hier ist es wunderbar..., mir geht es gut, ...ja da hast du Recht ..., das ist ja kein Wunder ...“ Nun will ich nicht zuhören, wenn jemand telefoniert, das verbietet mir der Anstand. Ich entferne mich etwas, wohl auch, weil das Gespräch für mich nicht wichtig ist. Also schlenderte ich um die Telefonsäule herum. Dabei habe ich die stille Hoffnung, dass sich der Typ an die alte Regel „Bitte fassen Sie sich kurz“ hält. Da das Gespräch aber doch länger dauert, werden die Kreise immer größer und so gerate ich vor das Schaufenster einer Musikalienhandlung. Besonders die Gitarren haben mir es angetan, aber bei den Preisen schüttelt es mich doch gewaltig. Vor allem eine schwarzbauchige Ovation interessiert mich, die auch sehr qualitätvoll gearbeitet zu sein scheint, denn sie kostet 500,- €. Qualität hat ihren Preis, und so gesehen gibt es hier anscheinend nur Qualitätsgitarren.
Ab und an finde ich mich wieder an der Telefonsäule ein, um nachzuschauen, ob der junge Mann denn nun endlich sein Gespräch in die Endphase bringt. Der aber lobt in den höchsten Tönen seinen Badestrand und die brennende Sonne, die Palmen und das Klima. Das wird nun aber doch interessant. Anfangs begriff ich überhaupt nicht, wovon der junge Mann sprach, deshalb siegte nun meine Neugierde. In Hörweite blieb ich stehen und betrachtete intensiv den Abfallkorb an der Bushaltestelle, als das Gespräch eine sehr überraschende Wende nahm. Da behauptet doch einer, er sei im Süden und mache Urlaub, und in Wirklichkeit steht er mit mir  zusammen im Nieselregen. Typ bedankt sich wortreich bei seiner Tante für das Geld, das sie ihm für den Urlaub vorgestreckt hat; er lügt das Blaue vom Himmel herunter und nun verspricht er auch noch hoch und heilig, alles bei der nächsten Gelegenheit zurückzuzahlen. Ich denke mir mein Teil und jetzt zieht es mich wieder zu dem Musikgeschäft, aber eher, weil ich in der spiegelnden Schaufensterscheibe die weitere Entwicklung an der Telefonsäule beobachten kann, ohne aufdringlich zu wirken. Dort wird wild gestikuliert, und wichtig mit den Armen gerudert. Irgendwann habe ich mich dann aber doch derart in eine der Gitarren verliebt, dass die weitere Entwicklung an mir vorüberging. Einen Augenblick lang muss ich wohl nicht aufpasst haben, denn beim nächsten Rundgang stand jemand ganz anderer an der Telefonsäule und telefonierte eifrig, wobei er mich triumphierend anschaute - so deutete ich zumindest seinen Blick. Den seltsamen Kerl in der speckigen Lederjacke mit den albernen Fransen an Revers und Ärmeln aber sah ich mit ausladenden Schritten eilig in einer der nicht weit von mir entfernt liegenden Spielhallen verschwinden.

 
Paul Mittelbach

 

Die Bühne des Lebens

Du stehst auf der Bühne
Spielst deinen Part
Geschminkt, in schmuckem Gewand
Auswendig gelernt
Füllen Worte den Raum
Die Kulisse ist dir Halt
Am Ende des Stückes
Fällt der Vorhang
Und morgen beginnt alles von vorn

Sabine Fenner


Geburtstagsgruß am 13.02.07

Heute vor vielen Jahrzehnten
nahm dein Schicksal seinen Lauf.
Geboren im schönen Land der Seen
trieb es dich dennoch fort -
aufs Meer hinaus.

Dein Erfahrungsschatz wuchs stetig,
begleitet von vielen dummen Fehlern,
manche davon wogen schwer.
Oft hast du sie beklagt im Nachhinein,
wurdest jedoch nie aus ihnen schlau.

So sperrten sie dich irgendwann
hinter Gittern - in die Einsamkeit hinein.
Die Frau, die deine Liebe in sich trug,
hast du zurück gelassen mit ihrem Leid.
Allein für sie wolltest du dich ändern.

Wieder vereint zogt ihr durchs Land,
habt euch an jedem Ort ein Nest gebaut.
Im Süden wurde euch ein Sohn geschenkt,
am Rhein seid ihr dann gestrandet
und erschuft die, die das hier schreibt.

Es folgten viele schwere Jahre,
geprägt von Wut und stiller Einsamkeit.
Ich habe sie dir alle schon verziehen.
Dank dir konnte sie in mir wachsen -
die bissige Kämpfernatur.

Heute bleibst du ohne Gesellschaft,
die Arbeit verwehrt mir den Besuch.
Ich komm am Wochenende
und bring dir deine Kornblumen mit.
Bestell du schon mal den Sturm.

Dann können wir gemeinsam dichten
und auf den Worten schwebend,
kann ich der dunklen, kalten Welt entfliehen.
Danach muss ich zurück auf den Boden,
es gibt einen Menschen, der mich braucht.

Heute vor vielen Jahrzehnten
nahm dein Schicksal seinen Lauf.
Blickt man nun sieben Jahre zurück,
sieht man sein frühes Ende -
nach deinem Willen geformt.

So schenke ich dir heute diese Zeilen,
denn erst jetzt habe ich die Gewissheit,
sie hätten dich damals glücklich gemacht.
Und ich hoff im Stillen, dass dein Schicksal
niemals zu meinem werden wird. 

Irgendwann, in ferner Zukunft,
werde ich der Welt dein Erbe präsentieren.
Dann werden unsere Zeilen gemeinsam
der Menschheit in Vollendung zeigen,
wie nah die Frucht dem Baume wirklich steht.

Es gibt zwei weise Zeilen,
die mich ewig an dich denken lassen:
"Der Tod dauert das ganze Leben
und hört auf, wenn er eintritt."
Da wo du jetzt bist, geht es dir sicher besser.

Es wird ein Wiedersehen geben!
Bis dahin grüß mir die Familie,
ich werde hier das gleiche tun.
Wo immer ihr auch seid gerade,
ihr seid zumindest nicht allein.

In Liebe,
Deine Blume 



dieses zurück von allem
wie er seinem sohn zeigt, dass die welt
noch gar nicht so wort ist wie gesagt
so, wie seine zarten finger
dieses papier umschlingen
als habe alles seinen absinth
als wolle nur der fingerabdruck
eine wahrheit hinterlassen
wir streiten nicht mehr
wundern uns nur noch
warum einer seine kraft
nicht verliert obwohl er alles
verloren hat
trifft er sich etwa heimlich
mit seinem leben?
in irgendeinem dunklen
zimmer, unbeheizt dazu,
dort, wo er dem licht am liebsten
begegnet, trifft er sich…
oder lebt er nur noch
von seinen wörtern
an denen er sich
wie an langen seilen
in die tiefe ablässt
ins verschlungene: dort
in der höhle
wo er die kerze findet, die
von beiden seiten
brennt: das wird er
sein, ein letzter tropfen
wachs. 

Willi van Hengel 



Tröstlich das Wissen
Um den neuen Tag
Der im Erwachen dein ist
Mit all seiner Vielfalt
Himmel und Erde
Licht und Schatten
Das Leben mischt die Karten neu 

Sabine Fenner



Hope and Joy - 

Vor dem Altar
branden die Stimmen
in Liedern zu Gott,
sie preisen, geloben: 

      Gott ist mit uns,
      bei allen Menschen,
      auf Ihren Wegen. 

Oh Happy day - 

Ein rhythmisches Klatschen
tänzerisch, 

         Gott ist der Fels,
         Frieden und Liebe. 

Neben dem lächelnden Gesicht
der schwarzen Gospelsängerin
an den Wolkenkratzern
von New York.  

Betti Fichtl


Glauben oder Wissen

Glauben musst du immer weiter
Zieht dich der Sog der Kalten
Hoffnungslosigkeit in die Tiefe
Muss sie durch dich hindurch
Um sich fest zukrallen 

Schaff ihr Leere und sie wird
Niemals gehen ohne dich
Voller Hoffnung im Herzen
Kannst du ihr widerstehen
Wenn die Kälte bricht und stirbt 

Das Blatt ist unbeschrieben
Mit vielen dunklen Worten
Die Facetten anderer Farben
Leben und leben lassend
Sich vereinen im tiefen Blau 

Glaubst du oder weißt du
Die Zeilen verschieben sich
Im Leben das du in dir trägst
Verändert es sich beizeiten
Der Frühling naht so bald 

Jasmin Ludorf



(p. th. gewidmet, der an seinem namenstag selbstmord beging)

wir standen beide ausgebrannt
an dem braungebeizten balken in der ecke
in der die unendlichkeit hockte
in der rechten ein glas bier
die linke lässig in der hosentasche vergraben 

manche geheimnisse lassen sich nicht berührn 

niemand ahnte dass einer von uns beiden
in der geballten faust den tod festhielt
vielleicht er selbst nicht einmal
zwei bier – noch – zum abschied
es schmeckte doch so gut
perlte der zunge den nächsten abend vor 

ich wusste nicht mehr
wer von uns beiden
bezahlt hat
weiß nur noch
wer bezahlen wollte –
nicht nur das bier!
belanglose worte
ließen mich an diesem abend nicht
seine sinnlichen lippen übersehn
sie gingen nicht an uns vorüber
ebenso wenig wie wir an uns vorübergingen
kein wort war eines zu wenig
keines eines zu viel
der eine zeigte dem anderen
dass er weitergehen wollte
bedingungslos
wir zeigten es uns beide
unsere blicke lächelten sich an
zwischen den wörtern und buchstaben

zwischen uns schien der tod keine chance zu haben
dabei sahen wir uns
während wir tranken
über den glasrand an
noch lächelnder als ohne bier an den lippen
wie sollte ich spüren
dass es sein letztes lächeln war
er tat doch so gelangweilt
wie sollte ich spüren
dass er die abgase seines autos schon lange roch
durch die seitenscheibe
die den schlauch wie eine blutverengte hand
auf sich richtete
um endlich einschlafen zu können
vielleicht für immer 

und ich sehe ihn heute noch
hinausgehen nachdem er bezahlt hatte
er winkte mir zu - wie sollte ich wissen
dass seine hand zum flügel werden wollte
in dieser nacht noch und zum himmel schrie mit ihm
in diese einbahnstraße aus der es kein zurück gibt
auch nicht an unseren balken in der ecke
auf den ich immer wieder
sein volles glas bier hingestellt habe
auch wenn niemand dort stand. 

Willi van Hengel 


Für ihn

Wie ist es möglich - erklär´s mir bitte,
dass zwei so kurze Worte, nur zwei
dir den Horizont eröffnen können?
Was du selbst in tausend Nächten
voller Grübeleien nicht vollbracht hast. 

Wie können zwei ach so kleine Worte
dir dein Herz öffnen für einen Mensch,
den du da drin nicht haben wolltest?
Weil sie dir zeigen, was er stets dachte,
voller Verzweiflung und doch so stumm. 

Wie kannst du diese zwei blumigen Worte,
die so viel Sinn und Schmerz in sich tragen
denn je wieder aus dem Kopf bekommen?
Wahrscheinlich mit keinem Mittel dieser Welt,
voller Schicksal heften sie sich an deinen Geist. 

Wie kannst du sie nun sinnvoll für dich nutzen,
damit sie die Vergangenheit erträglich machen,
dir die Schatten nehmen, die auf der Seele liegen?
Wach liegst du - leer im Herzen - und denkst dann
voller Erstaunen, dass der Schmerz schon gegangen
 
aber das Gefühl den Platz eingenommen hat - für ihn.

Jasmin Ludorf


Traum

Dein Traum will ich sein
Im Mondschein ein Tänzchen wagen
Mit dir den Wundern der Nacht begegnen
Zu den Sternen der Sinnlichkeit schweben

Dein Netz will ich sein
Fang mich nur ein
Mit dir nach der Liebe fischen
Im blaugrünen Ozean

Dein Paradies will ich sein
Im Garten Eden
Mit dir den Liebeshauch aller Anfänge erleben
Und ankommen im Augenblick

© Sabine Fenner


„Du mochtest Vico so gern“

Das Dunkle streichelt uns anders. Macht uns einfühlsamer. Das meintest du doch, wenn du sagtest, dass du die größte Feindin Platons seiest, der wollte immer nur Licht und Wahrheit, und was hat er bekommen? Die Lüge. Ich höre deine Stimme nun anders, und schreibe dir unentwegt weiter Briefe, die immer ankommen werden, auch wenn unbekannt verzogen draufsteht. Und wie zerriss es mich, als du sagtest, dass du nur noch ein halbes Jahr zu leben habest. Du hattest deine Bücher um dich. Deine Musik. Nun singt der Chor für dich. Dein letzter Umzug – ins Nirgendwo. Denn du wirst stolz von mir gehen, mit Haltung und aufrechtem Blick; nur wenn du müde bist, schwingt deine Stimme nicht mehr – so. Drehst deine Hand herum zum Fächer und sperrst deinen Mund weit auf wie ein Löwe, gähnst, naiv wie ein kleines Mädchen, da sagst du, während ich mich vom Stuhl bewege, dass ich noch fünf Minuten bleiben solle…

                                                                                                         Der vollständige Text als pdf



Giambattista vico ist im jahre 1670 zu neapel geboren. er stammt von achtbaren eltern, die einen sehr guten ruf hinterlassen haben. der vater war von heiterer gemütsart, die mutter dagegen hatte ein ziemlich melancholisches temperament. in diesem sinne wirkten auch beide eltern auf die natur ihres sohnes ein. weil er als kind äußerst lebhaften geistes und unruhigen wesens war, stürzte er im alter von sieben jahren kopfüber von der höhe einer treppe auf den boden und blieb wohl fünf stunden bewegungslos und ohne besinnung liegen. die rechte seite der hirnschale war zerschellt, ohne dass dabei die haut gerissen war. aber er verlor durch die vielen und tiefen einschnitte der unförmigen, durch den bruch hervorgerufenen geschwulst viel blut. deshalb meinte der wundarzt, als er den schädel zerbeult sah und die lange ohnmacht des kindes in betracht zog, dass giambattista entweder daran sterben oder doch blödsinnig bleiben werde. jedoch das urteil bewährte sich, gott sei dank, in keiner der beiden behauptungen; dagegen zeigte sich als folge der genesung von dem unfall, dass giambattista seitdem melancholischer und reizbarer natur blieb, wie sie ja bei geistvollen menschen sein muss, auf dass sie infolge ihrer begabung in scharfsinnigen einfällen aufleuchten wie ein blitz, wegen ihres tiefen nachdenkens aber keinen genuss an spitzfindigkeiten und tätigen falschheiten finden.

Willi van Hengel


Text für Siegfried
 

Kommentar: Dieses Werk widme ich einem der wenigen Menschen, die es vermögen, die innere Schönheit und die interessanten Facetten einer Person auf einem einzigen Bild fest zu halten … Siegfried Mayska (wenn du das liest, ich bin froh, dich kennen gelernt zu haben. Interessante Menschen erweitern den Horizont … und beflügeln den Geist, wie man sieht).


Ich beschwöre dich, sei auf der Hut,
begibst du dich in die Hände dieses Mannes.
Wird er dich in den Himmel heben
oder aber in den Abgrund stoßen?
Allein er hat die Macht, sein Wille entscheidet.
Doch die Antwort wirst du erst erhalten,
wenn er fertig ist mit dir.
Also sammelst du deinen Mut
und stellst dich der Gefahr.
Allein mit deiner Angst, schaust du ihn an.
Erwartest Fragen, Order, oder aber wenigstens ein Wort.
Doch kein Laut kommt über seine Lippen,
er steht nur da,
und seine Magie macht dich bewegungslos.
Nach scheinbar endloser Zeit ergibst du dich,
lässt dich fallen, vergisst deine Sorgen.
Und just in dem Moment der Schwerelosigkeit,
da greift er an
und fängt mit der Magie deine Seele ein.
Für den Bruchteil eines Augenblicks
hält er sie fest.
Sie kann nicht entfliehen,
doch du merkst es kaum.
Kein Schmerz, kein Bedauern
wird dich überkommen.
Und während du dort schwebst,
fertigt er geschwind
einen Abdruck deiner Seele an.
Dann schickt er sie zurück, ganz sanft,
und ihr verschmelzt erneut.
Er bedankt sich, ihr seid fertig.
Wo ist die Zeit geblieben?
Mit einem Gefühl der Verwirrung,
aber auch dem Hauch von Glück
bringt er dich zurück nach Haus´.
Und irgendwann,
die Erinnerung ist schon fast verblasst,
erhältst du eine Nachricht von ihm.
Wie im Traum besucht er dich,
nimmt deine Hand und legt etwas hinein.
Dann entschwindet er,
nur sein Leuchten bleibt zurück.
Du öffnest die Augen, schärfst deinen Blick
und erkennst,
dass nichts geringeres als das Bild deiner Seele
dir lächelnd in die Augen schaut.

Jasmin Ludorf

                                                                                                                          Der Text als pdf



Es ist mal wieder so weit. Frühling scheint sich anzuschleichen. Na gut, langsam aber doch unaufhörlich. Weiß sieht man nur noch in Form von Schneeglöckchen. Auch die Augen vieler Mitbürger fangen Dank des Pollenflugs wieder an zu strahlen oder zu laufen.
Dicke Klüsen überall.
Man bin ich froh, dass ich nur eine Latexallergie habe.
Allerdings das gehört nicht hierher.
Obwohl, Hmm... es ist Frühling – vielleicht sollte ich mir doch mal die Zeit nehmen zur Desensibilisierung zu gehen. Wie man bekanntlich weiß, bringt der Frühling nicht nur Müdigkeit mit sich. Auch die Gefühle, Hormone und Gedanken spielen verrückt und man möchte schließlich den Gräsern und Bäumen in der Samenverteilung in nichts nachstehen. Man oder Mann ist ja schließlich auch nur ein Produkt der Natur, und es geht dabei um Arterhaltung, wenn auch nur um vorgetäuschte.
Zurück von dem kleinen privaten Ausflug in die Idee der gestoppten Vermehrung.
Also Frühling. Die Urlaubspläne werden begonnen, oder manch einer war sogar schon im Urlaub, meine Kinder zum Beispiel, mit ihrer Mutter, den Schwestern und dem Neuen. Scheint schön gewesen zu sein. Wie schön, das möchte ich mir eigentlich nicht wirklich vor Augen führen, ich bin, glaube ich, auch mächtig reif für eine Auszeit, also besser keine Sehnsüchte wecken.
Ach Urlaub... Zu spät, Sehnsucht ist da. Misst!

Stefan Andres

                                                                                                           Der komplette Text als pdf


Im Ergebnis einer Zusammenkunft,
jetzt versteht man auch den Sinn des Wortes "Brunft"
eben sich nur einfach angesehn,
Dann dabei ertappt gemeinsam weg zugehn 

Klar wo man landet wissen alle
in einer daunenweichen Falle
erst wird sich hier und da berührt
Dann mit allen Sinnen das Gegenüber verführt 

Es kommt auch dazu und wie man weiß
meist ist man am Ende nass von Schweiß
legt man Rast und Ruhe ein
doch eigentlich nur um gleich wieder parat zu sein 

Die Nacht hüllt uns wie eine Decke ein
in einander verschlungen wie rankender Wein
atemlos liegen wir - Bewegungen erstarrt
mit nem Gummi die Natur genarrt. 

Die Regungslosigkeit, sie löst sich auf
Dem Narren ein neues Hütchen auf
Damit man zwanglos Kaspern kann
in diesem Theater zwischen Frau und Mann 

Stefan Peter Andres 



Oh Mann kann die Frau das nicht mal lassen
mich immer derart anzufassen
ihre Nägel im French Style
gräbt sie mir ins Hinterteil 

Jetzt spür ich, einem Messer gleich
die Nägel in meinem Rückenfleisch
tief graben sie sich in mich rein
müssen schon fast an der Lunge sein. 

Da ich höre ein Zischen und Saugen
spür einen Unterdruck in meinen Augen
Sie fragt: Was ist los mit dir mein Junge?
ich hechel - das war durch bis auf die Lunge! 

Eine luftleere Hülle liegt nun noch da
wo eben ich gefüllt noch war
unegrührt zieht sie sich an
ruft eben bei Beate Uhse an 

Und bestellt sich ne neue Gummipuppe!

Stefan Peter Andres

                                                                                                                Beide Gedichte als pdf