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Mira Sommer

Die Lyrikerin, Künstlerin und Autorin Mira Sommer wurde am 29.01.1982 in Leipzig geboren. Im Jahre 1988 kam es zur Ausreise der Eltern von der DDR in die BRD und 1990 erfolgte die Rückkehr nach Leipzig. Der Vater, Gerd Sommer, blieb zunächst in den alten Bundesländern, um vor allem endlich seinem Wunsch, ausschließlich als Künstler zu arbeiten, nachgehen zu können.
Mira Sommer legte ihr Abitur 2001 ab und begann nach Ausflügen ins Schauspielfach 2002 ein Studium der Germanistik, Journalistik und Sinologie. Ein Wechsel von Sinologie zu Anglistik fand 2003 nach längeren Großbritannien-Aufenthalten statt. Seit 2004 ist Mira Sommer auch als Journalistin im Bereich Print- und Onlinejournalismus aktiv und arbeitete bisher auch an verschiedenen Filmprojekten (Kurzfilme, Dokumentationen, Spielfilm) mit. Neben dem Studium betätigt sie sich auch als Künstlerin im Bereich Malerei und angewandte Kunst. Ihre erste Ausstellung hatte sie bereits im Alter von elf Jahren. Zu ersten Veröffentlichungen von Lyrik und Kurzgeschichten kam es 2006. Zu ihren Hobbys gehören historischer Schwertkampf, Sprachen, Reisen, Kostümdesign, Zeichnen und Orientalischer Tanz.



„Seemannsgarn" – Edition Leserunde: ISBN 978-3-940387-07-3

„Herzblutlyrik" – (Anthologie ) Edition PaperONE ISBN : 978-3-939398-84-4

„Lyrik Bibliothek" im Literareon Verlag - ISBN 978-3-8316-1317-5

„Die Menschen am Fluß" – (Sammlung) – Elbverlag ISBN-13: 978-3941127005

Sowie diverse Fachliteratur im GRIN Verlag , sowie Edition Hamouda



www.redbook.de.vu

www.halunken-fünf-lanzen.de



Ich finde mich inmitten einer altbekannten Meute in einem vom Dauerbesuch leidlich geprägten Etablissement. Mein Kopf ist entsprechend umnebelt, aber noch freigeistig genug um komplizierten Gedankenkonstrukten nicht aus dem Weg zu gehen.
Das Bild vor meinen Augen ist verheerend: Die Leute in diesen Breitengraden haben nicht nur von Geburt an den berühmten Stock verschluckt, sie tanzen auch gerade so steif, dass es anmutet wie ein Tanz der Pinguine. Umso länger ich es betrachte, so deutlicher wird: Es sind Pinguine. Von Natur aus Mensch zwar, aber das Gebaren lässt tief blicken. Bruder Walross kommt auch bald hinter seinem DJ-Pult hervor und mischt sich unter die lustigen Gesellen. Der Musik die er spielt, würde ich allerdings die Stille der Antarktis vorziehen. Zwischen Reggae und Popsilben Frauenstimmen merkwürdige Wortkonstrukte die jeglicher Sprachfertigkeit entbehren ins Mikro. Das müssen auch Pinguine sein, die versuchen die menschliche Intelligenz nachzuahmen. Mein Ohren schmerzen, doch wo sollte ich hingehen? Überall findet sich dasselbe Elend. Der Frust drängt mich dazu weitere Gläser zu leeren. Ein bekannter Lyriker nannte neulich die Männchen dieser Mensch-Pinguin Spezies Playmobilfrisurenträger. Wie treffend. Da stolziert der Kaiserpinguin aufs Parkett. Der hat einen etwas anders gearteten Haarwuchs. Ein berühmter Musiker würde sagen: Ein Holzwurm mit auftoupierten Haaren! Siehe, der Alpha-Pinguin hat jetzt eine Frau gefunden. Diese hampelt genauso artig herum wie er. Dabei wackelt sie gar nicht so peinlich mit dem Hintern wie andere vogelartige Damen es gerne tun. Eine jämmerliche Nachahmung des im Orient gebräuchlichen Bauchtanzes, wie es in diesen deutschen Breitengraden auch gern gemacht wird (abgesehen davon dass 80,5 % der mitteleuropäischen weiblichen „Hinternwacklerinnen“ genauso steif daherkommen wie unsere Pinguine). Jedenfalls sind in dieser Pinguindisco die Tänzer alle etwas anders, denn die wollen sich abgrenzen. Anders sein als die anderen Tiere ihrer Spezies, dem gemeinen Pinguin heißt: eine andere Gruppe bilden und hier ist es die „Alternative Anti-Pinguintruppe“. Schon sehe ich sie zwischen den lustigen blaurotgelben Deckenstrahlern umherhüpfen - die putzigen kleinen Pinguinbabies und Kind er. Sie fühlen sich wohl in dieser Welt. Ja die Menschen lieben Pinguine. Das kam ganz plötzlich. Früher hin der Schule, da liebten alle diese kleinen Plastiknuckel. Jeder hatte die an der Federtasche baumeln. Nur ich hatte nie einen. Auf diesen Triumph muss ich einen Trinken. Ich nehme einen Schluck White Russian. Heute oder gerade eben in der Jetztzeit sind es eben Pinguine. „Och wie süß! Och schau! Och gugge! Gottl’ nee!“. Meinen ersten echten und gemeinen Pinguinfreund hatte ich mit 12 Jahren. Ich ging damals immer alleine in den Zoo. Schule und Nuckel waren mir zuwider und Vormittag rannte kein Schwein in den Zoo. Da gab es diesen tollen „Pingu“, den ich Fridolin taufte. Er war der Verspielteste von allen, ist dauernd die Eisrutsche runtergeschlittert. Tja ich fand Pinguine schon toll, da wusste hier noch keiner was ein Kaiserpinguin ist. Nächstens sind’s die Mandarinenten die beliebt werden.
Mitten im Schwarzweißen Reigen taucht plötzlich eine Figur auf, die gar nicht dazu passt. Ein herrlicher getigerter Kater. Jetzt kommt er auch noch auf mich zu. Er zeigt mir seinen Personalausweis und da ist tatsächlich ein Menschenportrait abgebildet. Auch das Hologramm zeigt das Menschenkonterfei. Will der gestiefelte Kater mir damit weismachen, dass er ein verwunschener Prinz ist? Ich lasse es drauf ankommen. Einmal gegen die Wand geschleudert, das kannte ich noch aus dem „Froschkönig“ und schon hatte er sich in einen stattlichen Prinzen verwandelt. Ich traute meinen vom Alkohol umschleierten Augen zu sehr: Flugs war ich in seinen Fängen gelandet und er hatte mich sogleich hemmungsloser Liebesbekenntnisse beraubt. Es folgte ein Gespräch über Pamela Andersons Kampf mit der Gummibootschlange im Pazifik. Ich hatte davon einmal geträumt und war mir sicher dass ich ihm diesen intimen Traum unbedingt anvertrauen müsse.
Ein Alkoholstop hat sich noch nicht eingestellt und ich nehme noch ein paar Tequila Gold. Da wird mir klar, dass all das nebulöse Vergangenheit ist und dass der vermeintliche Katzenprinz gar keiner ist sondern mich nur für dumm verkaufen will. Wie auch immer, unsere romantische Beziehung ist in diesem Moment beendet und ich werfe ihn in hohem Bogen aus dem Lokal. Gerne hätte ich mich draußen mit ihm noch ein wenig geschlagen, aber die übereifrigen Pinguine halten mich an der Bar fest.
In den eisigen Morgenstunden klingt nun der Abend aus. Eine unverwüstliche Gruppe von Pinguinen ergießt sich in Weltherrschaftsphantasien. Ich klinke mich in den Plan ein und beanspruche Neuseeland, Südostasien, Hongkong und die USA für mich. Aufgrund meiner bescheidenen Wünsche nehmen mich die Pinguine gnädig in ihre Verschwörungsgruppe auf.
Ich nippe vergnügt an meinem Getränk bis es mich in die unendlichen Weiten des Unterbewusstseins verschlägt. Da wo ich ständig auf Katzenprinzen treffe.



Gebeutelt hat mich nun
Da ich spöttelnd neben Fluten stand
Der einen Elster Fluch 

Leidend zerr ich mich
In kreiselnden Abgrund
Zerfleddernd wähne ich
Mich in der Hölle Schlund 

Rabenschrei umkreiset
Körper, Kopf und Hirn
Und Leichen Blässe steht
Mahnend auf meiner Stirn



Von der dunklen Stube drinnen, trat ich aus meinem Tor
Ein goldener Strahl von draußen lockte mich hervor 

Und wie durch den besungnen Schritt in eine andere Welt
Wo goldener Regen glitzernd vom grauen Himmel fällt 

Der Boden ist ganz trunken von all dem Frühlingsregen
Umarmt die glänzende Sonne auf silbergrauen Asphaltwegen, 

Weißgoldner Spiegelhimmel der Fassaden
Regenbogen über alt melierten Dächern. 

Ich laufe durch Himmelspromenaden
Getaucht in Schönheit die Autos blechern. 

An einem Abend, an einem frühen Tag
Einzigartig, wiederkehrend. Auf einen Schlag



Kinder malen Bilder mit grünen Bergen
Und kleckern Bäume darauf.
Dazwischen ein paar Häuschen
Und braune große Kühe.
Keine Symmetrie, keine Ordnung.
Die kleinen Geschwister krakeln
Wege, Hügel und Steine hinauf.
Die Kinder matschen mit Schlamm und
Malen damit die Landschaft flächig aus.
Dieses Bild nennen die Eltern: „Alentejo“